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Vorbericht Nachholspiele Rugby-Bundesliga

  • Rugby-News Team
  • 12. März
  • 4 Min. Lesezeit
Fotografiert von HRK Rugby
Fotografiert von HRK Rugby

Die Winterpause ist vorbei, die Tabelle noch nicht ganz begradigt – und genau darin liegt vor diesem Samstag der besondere Reiz in der Rugby-Bundesliga. Zwei Nachholspiele schließen die Lücke im Spielplan, danach haben alle Mannschaften zehn Partien absolviert. Erst dann wird sich das Kräfteverhältnis hinter den führenden Teams aus Frankfurt und Neuenheim klarer lesen lassen. Für Hannover 78, den München RFC, den Heidelberger Ruderklub und Rugby Club Luxembourg geht es deshalb um mehr als nur um vier Punkte: um Anschluss, um Richtung, um die Frage, ob man die Zeit im Winter richtig genutzt hat.


Der Samstag als Korrektur der Tabelle

Noch wirkt das Klassement leicht schief. Hannover 78 und der Heidelberger Ruderklub haben erst neun Spiele absolviert, ebenso München und Luxemburg. Mit den beiden Nachholpartien am Samstag wird dieser Zwischenzustand beendet. Hannover steht derzeit mit 26 Punkten auf Rang fünf, München mit 20 Zählern auf Platz acht. Der HRK ist mit 23 Punkten Sechster, Luxemburg mit 11 Punkten Neunter. Hinter dem Spitzenduo aus Frankfurt 1880 und SC Neuenheim verdichtet sich das Feld also genau dort, wo der Saisonverlauf schnell kippen kann: zwischen Hoffnung auf die obere Tabellenhälfte und der Sorge, doch noch nach unten gezogen zu werden.


In Heidelberg geht es um die Richtung der Saison

Noch deutlicher wird diese Zuspitzung im zweiten Nachholspiel des Tages. Um 16 Uhr empfängt der Heidelberger Ruderklub 1872 den Rugby Club Luxembourg – ein Duell, das auf dem Papier nach Mittelfeld klingt, tatsächlich aber eine Richtungsentscheidung sein könnte.

HRK-Trainer Steffen Liebig benennt die Tragweite ungewöhnlich offen. Mit einem Sieg könne sich seine Mannschaft in Richtung Top vier orientieren, sagt er; bei einer Niederlage müsse man den Blick wieder stärker darauf richten, die Relegation zu vermeiden. Luxemburg sei ein direkter Konkurrent, „deshalb muss ein Sieg her“. Viel klarer lässt sich die Lage kaum beschreiben.

Dass Heidelberg sich diese Ausgangsposition überhaupt erarbeitet hat, hängt auch mit dem jüngsten Auswärtssieg beim TSV Handschuhsheim zusammen. Gerade dieses Ergebnis hat Eindruck hinterlassen ,auch in Luxemburg. Dort spricht Trainer Antoine von einem Signalspiel. Man freue sich auf den Restart, sagt er, auch wenn die lange Winterpause immer eine ungewöhnliche Phase sei. Der HRK-Sieg beim TSV habe gezeigt, dass in dieser Liga „nichts im Voraus entschieden ist und jedes Spiel zählt“.

Luxemburg sieht sich zwar nicht in der besten Position, aber keineswegs geschlagen. Antoine setzt auf die Dringlichkeit seiner Mannschaft, auf die Bereitschaft, zu reagieren und in der Tabelle wieder nach oben zu blicken. Der Gedanke dahinter ist klar: Noch ist die Saison offen, aber sie wird es nicht mehr lange bleiben.


Der HRK zwischen Hoffnung und personellen Grenzen

In Heidelberg ist die personelle Lage etwas entspannter als noch vor einigen Wochen, ohne wirklich gut zu sein. Yannik Schuster steht nach langer Verletzung früher als erwartet vor einem Comeback, Jaden Gliatis ist nicht für das Länderspiel Spaniens nominiert worden und gibt dem Sturm zusätzliche Flexibilität. Liebig verweist zudem auf eine gut besetzte Bank, die seinem Team – wie schon gegen den TSV – die Möglichkeit geben soll, auch in der zweiten Halbzeit nachzulegen.

Allerdings fehlt mit Andrew Reintges ein Nationalspieler, hinzu kommen Johannes Roll und weitere verletzte Spieler, darunter mehrere Langzeitverletzte aus der Hinrunde. Insgesamt acht Ausfälle sind weiterhin zu beklagen. Es ist also nicht die komfortable Kaderbreite eines Spitzenteams, sondern eher der Versuch, aus einer angespannten Lage wieder mehr Handlungsspielraum zu gewinnen.

Entsprechend deutlich ist auch der Plan für Samstag. So weit wie gegen den TSV wolle man es diesmal gar nicht erst kommen lassen, sagt Liebig. Heidelberg will Luxemburg möglichst früh aus dem Spiel nehmen. Denn der Gegner, das betont der HRK-Coach ausdrücklich, sei kampfstark, besitze „Rugbyinstinkt“, spiele mit gefährlichen Offloads und könne sehr unberechenbar sein. Vor allem in der Nähe des Malfelds dürfe man Luxemburg keine Situationen anbieten. Die Warnung kommt nicht von ungefähr: Im Rückspiel der vergangenen Saison hatte Luxemburg genau dort seine Effizienz gezeigt und am Ende gewonnen, obwohl Heidelberg die Partie weitgehend dominiert hatte.


Hannover will den Anschluss halten, München eine Basis schaffen

Wenn Hannover 78 am Samstag um 14 Uhr den München RFC empfängt, ist die Ausgangslage eindeutig, aber nicht bequem. Die Gastgeber können mit einem Sieg ihre Position in der Verfolgergruppe festigen und den Druck auf die Mannschaften vor ihnen erhöhen. München dagegen reist als Team an, das in den kommenden Wochen vor allem Stabilität und Rhythmus finden muss.

Münchens Trainer Alan Moughty beschreibt die Lage ohne große Ausschmückung, aber mit dem Bewusstsein für die bevorstehende Belastung. Man freue sich darauf, „nach der langen Pause wieder rauszugehen“. Die Trainingsbedingungen seien wegen des Wetters nicht leicht gewesen, „so gut, wie man es unter diesen Umständen erwarten konnte“. Dazu komme, dass weiterhin einige Spieler verletzt fehlten oder aus beruflichen Gründen nicht zur Verfügung stünden.

Gerade deshalb ist das Spiel in Hannover für Moughty weniger Endpunkt als Auftakt. Die kommenden Wochen, sagt er, würden für alle Teams „sehr intensiv“, mit neun Spielen in elf Wochen. Der Anspruch für Samstag sei deshalb, das aus dem Training auf den Platz zu bringen und „eine solide Plattform“ für diese Phase zu schaffen. Es ist die Sprache eines Trainers, der weiß, dass seine Mannschaft nicht nur ein Spiel bestreiten, sondern in einen Rhythmus finden muss.

Für Hannover liegt die Herausforderung anders. Die Niedersachsen stehen in einer Zone der Tabelle, in der jeder Sieg sofort Bedeutung gewinnt. Hinter Frankfurt und Neuenheim beginnt die eigentliche Verdichtung der Liga. Wer hier konstant punktet, hält sich in Reichweite der oberen Plätze. Wer stolpert, landet schnell im Gedränge des Mittelfelds.


Ein Samstag, der mehr ordnet als nur den Spielplan

Was diese beiden Nachholspiele so interessant macht, ist ihr gemeinsamer Unterton. Überall ist vom Neustart die Rede, vom Wiederanfang nach der Winterpause, vom Finden eines Rhythmus. Aber hinter diesem Vokabular liegt längst mehr. Hannover will seinen Platz in der Verfolgergruppe behaupten. München sucht nach einer belastbaren Grundlage für die Wochen der Verdichtung. Heidelberg kann sich mit einem Sieg nach oben orientieren. Luxemburg versucht, aus der defensiven Tabellenlage auszubrechen.

Am Ende geht es an diesem Samstag also nicht nur darum, dass alle Teams auf zehn Spiele kommen. Es geht darum, die Saison neu zu sortieren. Die Tabelle wird danach nicht mehr schief sein. Und vielleicht zeigt sich dann auch klarer, wer in den kommenden Wochen angreifen darf – und wer vor allem darauf achten muss, nicht abzurutschen.

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