Auftakt mit Anspruch
- Rugby-News Team
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Deutschlands Rugby-Frauen starten gegen Finnland in die Europe Trophy und formulieren selbstbewusst das Ziel Titelgewinn
Heidelberg. Es ist ein Auftakt mit Ansage. Wenn die deutschen Rugby-Frauen am Samstag um 14.30 Uhr im Fritz-Grunebaum-Sportpark auf Finnland treffen, beginnt nicht nur eine neue Europameisterschaftssaison, es beginnt auch eine kurze, intensive Kampagne mit einem klar formulierten Ziel: der Gewinn der Rugby Europe Trophy.
Die Partie markiert den Start in die Rugby Europe Women’s Trophy-Saison 2025/26, dem zweithöchsten kontinentalen Wettbewerb im europäischen 15er-Rugby der Frauen. Anders als bei großen Turnieren mit K.-o.-Phase wird die Trophy in einer kompakten Runde ausgespielt: Die teilnehmenden Nationen treten im Ligamodus gegeneinander an, Heim- und Auswärtsspiele wechseln sich je nach Spielplan ab. Für einen Sieg gibt es vier Punkte, für ein Unentschieden zwei; Bonuspunkte für viele erzielte Versuche oder knappe Niederlagen können am Ende den Ausschlag geben. Wer nach Abschluss aller Begegnungen an der Tabellenspitze steht, gewinnt die Trophy. Ein Wettbewerb, der sportlich wie strukturell den nächsten Schritt in Richtung europäische Spitze markiert.
Rückenwind aus der Schweiz
Dass der EM-Start in Heidelberg kein Kaltstart wird, liegt auch am vergangenen Wochenende. Im schweizerischen Yverdon setzte sich das Team von Nationaltrainer Pierre Mathurin im letzten Test vor dem Pflichtspielauftakt mit 20:13 (15:8) gegen die Gastgeberinnen durch. Es war ein Arbeitssieg, aber einer mit Aussagekraft.
Frühe Versuche von Elena Korn und Johanna Hacker sorgten für einen kontrollierten Beginn, Clara Tauschek und Sofie Fella legten nach. Vor allem in der Anfangsphase dominierte Deutschland Ballbesitz und Physis, verteidigte diszipliniert und wirkte strukturiert im Spielaufbau. Erst in der Schlussphase, nach zahlreichen Wechseln, kamen die Schweizerinnen noch einmal auf.
„Dieses Testspiel war genau das, was wir uns erhofft hatten“, sagte Mathurin danach. „Wir hatten einen starken Gegner, stärker als wir es eigentlich erwartet hatten. Eine bessere Vorbereitung hätten wir hier nicht bekommen können.“ Und mit Blick auf Finnland ergänzte er: „Wenn wir gegen Finnland unsere Leistung auf den Platz bringen, haben wir auch gute Chancen auf einen Sieg.“
Klare Ambitionen
Mathurin formuliert seine Zielsetzung ohne diplomatische Schleifen: „Wir wollen die Trophy gewinnen. Ich glaube, dass dieses Team gut genug dafür ist.“ wird er auf der Verbandsseite zitiert. Die Vorbereitung sei intensiv gewesen, mit gemeinsamen Lehrgängen, Detailarbeit im taktischen Bereich und sogar Einheiten gegen die U16-Junioren des Rugbyverbands Baden-Württemberg, um Tempo und Physis zu schärfen.
Dass die Nominierung für das Finnland-Spiel schwergefallen sei, betont der Coach ebenfalls. Verletzungsbedingt fehlen unter anderem Sophie Hacker und Emma Dehnert. Dennoch habe man „das bestmögliche Team“ für den Auftakt zusammengestellt – auch auf Grundlage taktischer Überlegungen.
Erfahrung im Sturm und Tempo
Ein Blick auf die Startaufstellung zeigt eine Mischung aus eingespielter Achse und dynamischer Breite. Im Sturm beginnt Mareike Bier auf der Prop-Position, gemeinsam mit Catharina Rickel und Leonie Fouquet in der ersten Reihe. Kapitänin Mette Zimmat führt das Team auf der Center Position an. Als Verbinderin agiert Lara Bürger. Für Tempo auf den Außenpositionen sorgen unter anderem Johanna Hacker und Sofie Fella.
Bier erwartet eine intensive Begegnung: „Grundsätzlich würde ich mir wünschen, dass wir dieses Spiel gewinnen. Ich glaube, wir sind sehr gut vorbereitet und wir können in diesem Spiel zeigen, was wir alles drauf haben. Wir haben einen starken Sturm, wir haben eine starke Reihe und auch im Zusammenspiel können wir unsere Stärken präsentieren.“
Gleichzeitig warnt sie vor der Physis der Skandinavierinnen: „Was ich erwarte, ist, dass es ein körperlich eher anstrengendes Spiel wird. Die Finnen machen einen sehr physischen Eindruck – das wissen wir auch aus den vergangenen Begegnungen. Unsere Aufgabe wird es sein, das Spiel schnell zu machen, schnelle Wechsel zu spielen, den Ball rasch auf die Reihe zu bringen, um die Gegnerinnen müde zu laufen.“
Der womöglich tiefere Rasen im Heidelberger Sportpark könne das schnelle Spiel erschweren, sagt Bier, „aber ich glaube, dass wir genug Geschwindigkeit sowohl auf der Reihe als auch im Sturm haben, um dieses Spiel schnell zu machen.“
Ein Auftakt mit Signalwirkung
Für die deutschen Frauen, die sich selbstbewusst „Phönixe“ nennen, ist dieses erste EM-Spiel mehr als nur ein Auftakt. In einer kurzen Trophy-Saison kann ein Heimsieg früh die Richtung vorgeben – sportlich wie mental. Wer um den Titel spielen will, darf sich kaum Ausrutscher erlauben.
Die Vorbereitung, sagt Bier, habe man „unter großem Einsatz“ absolviert, viele Termine möglich gemacht, intensiv an Details gearbeitet. „Natürlich geht immer mehr. Aber grundsätzlich können sich alle Besucherinnen und Besucher am Samstag auf ein sehr motiviertes Team freuen, das weiß, was es kann, wo die Stärken liegen – und das entsprechend vorbereitet ist, das auf dem Platz zu zeigen.“
Am Samstag wird sich zeigen, wie tragfähig dieser Plan ist. Finnland gilt als robust, diszipliniert, schwer zu bespielen. Doch die Deutschen haben ihr Ziel klar definiert. Und wer eine Trophy gewinnen will, muss zu Hause beginnen.



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