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Dritte Halbzeit: Berlin meldet sich zurück

  • Rugby-News Team
  • vor 21 Stunden
  • 7 Min. Lesezeit

Der Spieltag brachte unten wie oben klare Signale. Der Berliner RC gewann sein erstes Saisonspiel und hält den Abstiegskampf offen. Der Heidelberger RK setzte früh den entscheidenden Schlag. Die RG Heidelberg brauchte eine Halbzeit, fand dann aber deutlich in die Spur. Neuenheim reagierte standesgemäß. Frankfurt blieb auch in Handschuhsheim stabil.




Berliner RC – Rugby Club Luxembourg 54:35 - Lebenszeichen im Keller

Es war das Spiel mit dem größten Druck im Tabellenkeller. Der Berliner RC hat dieses Duell gegen Rugby Club Luxembourg mit 54:35 gewonnen und damit seinen ersten Saisonsieg geholt. Nach 14 Niederlagen steht ein Ergebnis, das dem BRC im Abstiegskampf wieder Luft gibt.


Ares van Look, Trainer des Berliner RC, sprach danach von großer Erleichterung. Seine Mannschaft habe sich die Chance erarbeitet, „immer noch im Wettbewerb“ zu sein, und diese Gelegenheit genutzt. Dass Berlin 54 Punkte erzielte, nannte van Look eine „Hausnummer“. Die 35 Gegenpunkte gefielen ihm deutlich weniger. Entscheidend war für ihn aber zunächst etwas anderes: fünf Punkte, das Ende der langen Negativserie und der Nachweis, dass der BRC im Abstiegskampf noch da ist.


Bemerkenswert war vor allem die Art des Berliner Auftritts. Van Look sprach von einem der besten Spiele seiner Mannschaft seit langer Zeit. Der BRC sei als Einheit aufgetreten, habe Luxemburg gut gelesen und in den entscheidenden Bereichen die passende Antwort gefunden. Besonders deutlich wurde der Berliner Trainer beim Gedränge und bei der Physis. Dort habe seine Mannschaft den Gegner dominiert, Luxemburg habe darauf „keine Antwort“ gehabt. Auch in der Hintermannschaft verteidigte Berlin stabiler als zuletzt. Trainingsinhalte waren diesmal sichtbar.


Maxim Kenens, Spieler des Rugby Club Luxembourg, benannte den Kern des Spiels knapp. Der BRC sei im Gedränge „extrem überlegen“ gewesen, sagte er. Luxemburg habe deshalb verdient verloren. Klarer lässt sich dieses Spiel kaum zusammenfassen.


Für Berlin war es ein Nachmittag, an dem sich etwas löste. Van Look sprach von einem außergewöhnlich guten Warm-up, hoher Konzentration und einer Mannschaft, die bereit gewesen sei, den Kampf anzunehmen. Nach dem Abpfiff sei das Einheitsgefühl deutlich spürbar gewesen. Alle seien sich in die Arme gefallen, sagte der Berliner Trainer. Man musste nicht viel hineinlegen in diese Szene. Für den BRC war dieser Sieg lange überfällig.


Erledigt ist damit nichts. Van Look sagte selbst, nun werde sofort wieder gerechnet. In den verbleibenden Spielen brauche Berlin die maximale Ausbeute. Aber die Lage hat sich verändert. Der BRC hat Punkte. Und wieder Grund, an den Klassenverbleib zu glauben.



SC Germania List – Heidelberger RK 22:36 - Der frühe Schlag entscheidet

Der Heidelberger RK hat bei der SC Germania List mit 36:22 gewonnen und sich im Rennen um die oberen Plätze eine gute Position verschafft. Entscheidend war die Anfangsphase. Der HRK riss das Spiel mit ungewöhnlicher Effizienz an sich und zwang Germania früh in einen Rückstand, der später kleiner wurde, aber nicht mehr ganz verschwand.


Johannes Augspurger, Trainer der SC Germania List, sah genau dort den Kern der Niederlage. Die ersten 15 bis 20 Minuten habe seine Mannschaft „komplett verpennt“, sagte er. Der HRK habe das stark gemacht und direkt vier Versuche gelegt. Danach war der Weg zurück weit. Germania kam dennoch noch einmal heran. Vor der Pause verkürzten die Gastgeber auf 10:22, kurz nach Wiederanpfiff auf 17:22. In dieser Phase war die Partie wieder offen.


Steffen Liebig, Trainer des Heidelberger RK, war mit dem Ergebnis entsprechend zufrieden. Seine Mannschaft habe erreicht, was sie sich vorgenommen hatte: fünf Punkte. Man habe „zocken und Spaß haben“ wollen, sagte Liebig. Genau so sei der HRK losgelegt. Die ersten zwölf Minuten mit vier schön herausgespielten Teamversuchen seien „überragend“ gewesen. Selten habe seine Mannschaft so effizient gespielt. Dass das Spiel danach schwieriger wurde, änderte an diesem Start nichts.


Germania darf sich zugutehalten, danach nicht auseinandergebrochen zu sein. Augspurger hob hervor, dass seine Mannschaft erstmals in dieser Saison eine Überzahl auch wirklich in Punkte ummünzen konnte. Insgesamt sei es ein munteres, ansehnliches Spiel gewesen, sagte er, mit zwei jungen Mannschaften und vielen Spielern aus der eigenen Jugend. Sein Ärger hielt sich in Grenzen. Der Gegner habe das bessere Ende verdient gehabt.


Beim HRK blieb trotz des Sieges Raum für Kritik. Liebig verwies auf zahlreiche liegengelassene Chancen in der zweiten Halbzeit, auf hochgehaltene Bälle im Malfeld und Vorwürfe kurz vor der Linie. Auch die Tacklehöhe sei „ganz schwach“ gewesen. Die Folge waren viele Straftritte und zwei Gelbe Karten. Zwanzig Minuten in Unterzahl machten die Partie unnötig offen. Dazu kam eine Sorge im Kader: Andrew Reintges, Spieler des Heidelberger RK, musste früh vom Feld. Danach musste der HRK auch in den Standards improvisieren.


So bleibt ein Sieg, der auf einer furiosen Anfangsphase beruhte. Später verwaltete Heidelberg eher, als dass es das Spiel veredelte. Germania kämpfte sich heran, kam aber nie ganz aus dem Schatten des Fehlstarts. Für den HRK ist es ein wichtiger Erfolg. Für List bleibt die Erkenntnis, dass in einem lebhaften Spiel der Beginn den Unterschied machte.



RG Heidelberg – Hannover 78 66:28 - Klare Antwort nach der Pause

Das Ergebnis wirkt eindeutig, der Weg dorthin war es lange nicht. Die RG Heidelberg hat Hannover 78 mit 66:28 geschlagen, brauchte dafür aber eine deutliche Steigerung. Vor allem die erste Halbzeit zeigte, dass diese Partie für die RGH komplizierter war, als es das Resultat später vermuten lässt.


Gareth Jackson, Trainer der RG Heidelberg, sprach sogar von den womöglich schwächsten ersten 40 Minuten seiner Mannschaft in dieser Saison. Umso wichtiger war für ihn die Reaktion nach der Pause. In der Halbzeit habe man die Dinge klar angesprochen, danach habe die Mannschaft „sehr positiv reagiert“. Genau das wertete Jackson als weiteres Zeichen der Entwicklung. Heidelberg fand spät ins Spiel, dann aber mit Nachdruck.


Hannover 78 konnte sich für den ersten Durchgang einiges anrechnen. Jarrod Saul, Trainer von Hannover 78, sagte, er sei sehr stolz auf die Leistung seiner Mannschaft in der ersten Hälfte. Man sei nach Heidelberg gefahren, ohne genau zu wissen, was einen erwarte. Dann habe man wohl viele überrascht, wie gut man zunächst auftrat. Darin lag die eigentliche Geschichte dieses Spiels: Hannover war lange konkurrenzfähiger, als das Endergebnis später aussah.


Erst im weiteren Verlauf kippte die Partie deutlich. Saul verwies auf mehrere Verletzungen während des Spiels. Wieder musste Hannover seine Kadertiefe testen. Danach kamen die Punkte der RGH in schneller Folge. Dass 78 am Ende dennoch einen Bonuspunkt mitnahm, entsprach dem eigenen Ziel und war für Saul der wichtigste Ertrag dieses Nachmittags.


Bei der RGH blieb neben der zweiten Halbzeit auch Raum für einzelne Geschichten. Jackson hob den Versuch von Manu Müller, Spieler der RG Heidelberg, ausdrücklich hervor. Zudem freute er sich über die Rückkehr von Max Kammholz, ebenfalls Spieler der RGH. Der Blick des Heidelberger Trainers ging aber schnell weiter. Die nächste Woche sei wichtig, sagte er, auch weil Luxemburg nach diesem Spieltag um alles kämpfen werde. Dass die RGH nun zum fünften Mal in Serie antreten müsse, weil ein Spieltermin zugunsten eines Länderspiels Luxemburgs verschoben worden sei, kommentierte Jackson mit deutlichem Ärger.


Unter dem Strich steht ein Heidelberger Sieg mit zwei sehr verschiedenen Hälften. Die erste gehörte zu den schwächeren Phasen der Saison, die zweite zu den besseren Antworten dieser Mannschaft. Hannover 78 kann trotz der klaren Niederlage auf den ersten Durchgang und den Bonuspunkt verweisen. Das Ergebnis war deutlich. Der Nachmittag war es nicht durchgehend.



München RFC – SC Neuenheim 7:55 - Neuenheim reagiert

Der SC Neuenheim hat auf die Heimniederlage der Vorwoche mit einem klaren 55:7 beim München RFC reagiert. Es war die Antwort, die von einem Spitzenteam in dieser Lage zu erwarten war: kontrolliert, konsequent und ohne längere Wackelphase. Für München blieb ein Klubtag mit guter Atmosphäre, sportlich aber nur wenigen längeren Zugriffsmomenten.


Alan Moughty, Trainer des München RFC, hob zunächst den Rahmen hervor. Für den Verein sei es insgesamt ein sehr guter Tag gewesen, mit viel Rugby und vielen Versuchen für die Zuschauer. Auf dem Platz hatte seine Mannschaft allerdings Mühe, das eigene Angriffsspiel ins Laufen zu bringen. Wenn das gelang, habe man Neuenheim durchaus Probleme bereitet, sagte Moughty. Es gelang nur zu selten.


Beim SC Neuenheim klang das Urteil naturgemäß zufriedener. Alexis Michel, Trainer des SCN, sagte, nach der Niederlage der Vorwoche sei eine starke Reaktion wichtig gewesen. Genau die habe seine Mannschaft gezeigt. Insgesamt sei es ein gutes und kontrolliertes Spiel gewesen. Vor allem in den eigenen guten Phasen habe Neuenheim deutlich konsequenter agiert und das Momentum in Punkte umgesetzt.


Michel hob hervor, dass München offen und positiv Rugby gespielt habe. Bei guten Bedingungen sei dadurch eine ansehnliche Partie entstanden. Den entscheidenden Unterschied sah der Neuenheimer Trainer aber in der Disziplin. Der SCN blieb über die gesamte Spielzeit geordneter und hatte dadurch die bessere Plattform für das eigene Spiel.


So wurde aus der Begegnung ein klarer Auswärtssieg des Favoriten. München hatte seine Momente, bekam daraus aber zu wenig Druck und zu wenig Kontinuität. Neuenheim tat, was nach dem Rückschlag gegen die RG Heidelberg nötig war: Ordnung herstellen, die starken Phasen nutzen und den Gegner früh auf Abstand halten.



TSV Handschuhsheim – SC Frankfurt 1880 15:45 - Frankfurt bleibt Frankfurt

Der SC Frankfurt 1880 hat auch in Handschuhsheim gewonnen. Für das 45:15 musste der Tabellenführer allerdings mehr arbeiten, als das Ergebnis auf den ersten Blick vermuten lässt. Der TSV hielt phasenweise gut dagegen, blieb kämpferisch im Spiel und kam zu eigenen Druckphasen. Frankfurt aber bestrafte Fehler mit der Klarheit einer Spitzenmannschaft.


Lukas Rosenthal, Trainer des TSV Handschuhsheim, beschrieb den Gegner als Mannschaft, die „in der eigenen Klasse unterwegs“ sei. Frankfurt habe fast jeden Fehler bestraft, im Angriff dominant und schnell agiert, insgesamt sehr rund und sicher gespielt. Schon der Beginn erschwerte den Gastgebern das Spiel. Der TSV kassierte früh zwei Versuche, ehe er das Tempo besser annehmen konnte. Danach gelangen eigene Druckphasen, vor allem mit Ballbesitz. Das Grundproblem blieb: Wer lange verteidigen muss, kommt selbst nur schwer dauerhaft zur Entlastung.


Rosenthal hob hervor, dass seine Mannschaft das Spiel zumindest in der ersten Halbzeit ergebnistechnisch noch recht eng hielt. Auch zu Beginn des zweiten Durchgangs habe der TSV etwa 15 Minuten lang überwiegend in der gegnerischen Hälfte gespielt, Druck aufgebaut und Frankfurt in unangenehme Phasen gezwungen. Nur der letzte Ertrag fehlte. Mal misslang der letzte Pass, mal blieb die letzte Phase vor dem Abschluss ungenutzt. Handschuhsheim belohnte sich nicht für die eigene Arbeit.


Byron Schmidt, Trainer des SC Frankfurt 1880, sprach dennoch von einem sehr guten Spiel. Der TSV habe stark begonnen, sei sehr konkurrenzfähig gewesen und habe mit allem dagegengehalten. Auch die Spielleitung lobte Schmidt ausdrücklich. Aus Frankfurter Sicht überwog am Ende die Zufriedenheit mit dem Ergebnis. Ein paar weichere Momente habe es gegeben, sagte der Trainer. Insgesamt zeigte der Spitzenreiter aber wieder die gewohnte Kontrolle und Gefährlichkeit.


Dass Frankfurt am Ende klar gewann, lag auch an einzelnen Szenen, die Rosenthal benannte: zwei abgefangene Bälle und starke Einzelaktionen im offenen Feld. Solche Momente verschieben Spiele gegen Topmannschaften schnell. Aus „ordentlich mitgehalten“ wird dann ein deutliches Ergebnis. Ganz unverdient war das Resultat aus Sicht des TSV nicht. Ganz deckungsgleich mit dem Aufwand der Gastgeber war es aber auch nicht.


Handschuhsheim leistete Widerstand, belohnte sich aber zu selten. Frankfurt blieb ruhig, überstand die Druckphasen des Gegners und nutzte die eigenen Chancen mit der nötigen Schärfe.

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