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Die Dritte Halbzeit: Favoriten, Fehler, Fortschritte

  • Rugby-News Team
  • vor 1 Tag
  • 6 Min. Lesezeit

Ein enger Nachmittag in Heidelberg, ein Ausrufezeichen der RGH in Neuenheim, Frankfurter Dominanz und ein souveräner Auftritt des TSV: Der Spieltag bot nicht überall Spannung, aber doch einige aufschlussreiche Fingerzeige für die Schlussphase der Saison.


Hannover 78 – Berliner RC 40:29: Viel Raum, viel Tempo, ein Punkt für Berlin

Hannover 78 hat sich in einem offenen, unterhaltsamen Spiel mit 40:29 gegen den Berliner RC durchgesetzt. Die Gastgeber waren im Angriff die bessere Mannschaft, Berlin nahm trotz der Niederlage immerhin einen Bonuspunkt mit. Es war ein Spiel mit viel Ballbesitz, viel Bewegung und etlichen Gelegenheiten auf beiden Seiten.


Jarrod Saul sprach hinterher von einer Partie, die Spaß gemacht habe. Vom Berliner RC habe es keine Überraschungen gegeben: viel Härte im Laufspiel, harte Tackles, wenig Kickspiel. Genau darauf sei Hannover eingestellt gewesen. Umso zufriedener zeigte sich der 78-Coach mit dem eigenen Angriff. Seine Mannschaft habe den Ball gut über das Feld bewegt und die Räume genutzt, die sich boten. Weniger gefiel ihm, dass Berlin bis zum Ende im Spiel blieb. Zu viele unnötige Straftritte und Pfiffe gegen die eigene Mannschaft hätten dem BRC geholfen.


Auch Ares van Look sah das erwartete offene Duell. Hannover 78 sei auswärts wie zu Hause ein unbequemer Gegner, und auch diesmal habe Berlin das zu spüren bekommen. Positiv wertete der Berliner Trainer, dass seine Mannschaft den Kampf angenommen habe. Mit dem Ergebnis konnte er naturgemäß nicht zufrieden sein; der Bonuspunkt sei das einzig Greifbare. Den Grund für die Niederlage sah van Look vor allem im Kickspiel. Berlin habe es zu selten geschafft, das Spiel in die richtigen Zonen zu verlagern, sich stattdessen unter Druck setzen lassen, Fehler gemacht und daraus Gegenpunkte kassiert. Immer dann aber, wenn der BRC in Hannovers Hälfte kam und bei der eigenen Struktur blieb, sei zu sehen gewesen, dass diese Mannschaft gefährlich werden kann.


Für Hannover ist es ein verdienter Sieg, getragen von einer funktionierenden Offensive. Für Berlin bleibt eine Niederlage mit kleinem Ertrag. Der Bonuspunkt wird die Lage im Tabellenkeller nicht grundsätzlich verändern, könnte aber am Ende entscheidend sein.



Heidelberger RK – München RFC 29:27: Der Klassenerhalt ist da, die Ruhe noch nicht


Der Heidelberger RK hat den München RFC mit 29:27 geschlagen und damit den Klassenerhalt vorzeitig gesichert. Das war die gute Nachricht aus Heidelberger Sicht. Die andere: Wirklich überzeugend war dieser Nachmittag nicht. Das Spiel wankte lange hin und her, und der HRK half kräftig mit, dass es bis zum Ende eng blieb.


Steffen Liebig stellte nach der Partie zunächst das Saisonziel in den Vordergrund. Der Ligaverbleib sei das Entscheidende gewesen, und dieses Ziel habe die Mannschaft nun erreicht. In seiner Analyse klang allerdings auch an, wie viel den Gastgebern an diesem Tag misslang. Heidelberg habe Vorteile gehabt, sei aber erneut nicht effizient genug gewesen. Liebig nannte mehrere liegen gelassene Versuche: einmal aus dem Malfeld herausgetackelt, dann ein Vorwurf kurz vor der Linie, später ein weiterer Fehler nach schnellem Antippen nur wenige Meter vor dem Zielraum. Es war kein Spiel, in dem dem HRK viel zufiel.


Dazu kamen Einladungen an den Gegner. Besonders bitter verlief die Szene unmittelbar vor der Pause: ein vergebener Straftritt, ein fallengelassener Gegenkick und schließlich die Ballaufnahme aus einer Abseitsposition. München punktete noch vor dem Halbzeitpfiff und ging in Führung. Auch ein weiterer Versuch der Gäste fiel aus Heidelberger Sicht unnötig leicht. Nach einem missglückten Ankick und unklaren Aktionen am Boden schloss München unter den Stangen ab. Liebigs Urteil fiel entsprechend offen aus: Über eine Niederlage hätte man sich nicht beschweren dürfen.


Umso wichtiger war die Reaktion. Der HRK habe Charakter gezeigt, sagte Liebig, und bis zum Schluss alles hineingeworfen. Ausschlaggebend sei am Ende die Bank gewesen. Lennox Wiese gab ein starkes Comeback, Eigengewächs Luca Benighaus ein gutes Debüt. Auch Markus Bachofer und Jonas Malaizier brachten nach ihrer Einwechslung spürbar Energie. Der Sieg entstand nicht aus Kontrolle, sondern aus Beharrlichkeit.


Auch aus Münchner Sicht blieb der Eindruck eines sehr engen Spiels. Alan Moughty sprach von einer guten, ausgeglichenen Begegnung, in der sein Team früh geführt und diese Führung lange behauptet habe. Er beschrieb die Partie im Kern als wechselseitige Fehlerverwertung: Wenn der HRK etwas anbot, habe München zugeschlagen; später habe Heidelberg nach zwei Fehlern bei Rückkicks dasselbe getan und den entscheidenden Versuch in der Ecke erzielt. Dass München am Ende noch einen Kick hatte, zeigt, wie schmal der Abstand war.


Für den HRK ist dieser Sieg tabellarisch enorm wichtig. Sportlich bleibt dennoch Arbeit. Der Klassenerhalt ist erreicht, ein Platz unter den ersten vier laut Liebig theoretisch noch möglich, praktisch aber schwer vorstellbar. Dazu kommt eine angespannte Personallage mit drei weiteren Verletzten. Für Heidelberg geht es nun darum, die Saison sauber zu Ende zu spielen und jungen Spielern Minuten zu geben. München wiederum dürfte sich über diese Niederlage lange ärgern.



SC Neuenheim – RG Heidelberg 14:34: Der alte Satz gilt nicht mehr


Die RG Heidelberg hat mit dem 34:14 beim SC Neuenheim eines der markantesten Ergebnisse dieses Spieltags erzielt. Auswärts beim Tabellenzweiten zu gewinnen, ihm den Bonuspunkt zu nehmen und dabei über weite Strecken die reifere Mannschaft zu sein, ist mehr als nur ein guter Nachmittag.


Gareth Jackson rückte nach dem Spiel die Entwicklung seines Vereins in den Mittelpunkt. Vor einem Jahr habe man dieses Duell noch zu Hause mit 0:179 verloren, nun habe man dieselbe Mannschaft auswärts geschlagen. Schon dieser Vergleich sagt viel. Jackson sprach von harter Arbeit, die hinter diesem Fortschritt stehe, und von einem Sieg, den sich Spieler, Verein, Helfer und Fans verdient hätten.


Ganz ohne Gegenwehr verlief die Partie nicht. Jackson betonte, dass der SC Neuenheim seine Phasen gehabt und immer wieder ins Spiel gefunden habe. Entscheidend sei gewesen, dass seine Mannschaft nie nachgelassen habe und körperlich über die gesamte Spielzeit präsent geblieben sei. Auch dem Gegner bescheinigte er einen fairen Auftritt in der Niederlage.


Am deutlichsten war Jackson, als er ein altes Urteil über seine Mannschaft zurückwies. Vielleicht könne man nun endlich damit aufhören, die RG Heidelberg als Team zu bezeichnen, das auswärts nicht bestehen könne. Nach einem solchen Auftritt wirkt dieser Satz nicht trotzig, sondern folgerichtig. Die RGH hat in Neuenheim nicht nur gewonnen. Sie hat gezeigt, wie weit sie in einem Jahr gekommen ist.


Auf Seiten der Neuenheimer möchte man das Spiel am liebsten Abhaken. Coach Alexis Michel sagte, es sei wie erwartet hartes Spiel gewesen: "RGH hat ein perfektes Spiel abgeliefert, während wir Mühe hatten, unser Spiel auf die Beine zu stellen. Die Disziplin war ein entscheidender Faktor: Wir kassierten 11 Strafen, RGH hingegen nur 2." Gleichzeitig schaut Michel realistisch, aber optimistisch nach vorne und sagte es wäre ein wichtiger Test für seine Mannschaft. Dem Verein sei klar geworden, wie viel Arbeit noch vor ihnen liegt, um trotz all der Verletzungen und fehlender Spieler auf höchstem Niveau mithalten zu können.


Die RGH setzt das nächste Ausrufezeichen. Hätten die Orange Hearts nicht zu Beginn der Saison gestrauchelt, wäre Ihnen der zweite Platz und damit das Finale sicher. Aber was für eine Geschichte wir hier erleben dürfen, da öffnet sich jedem Rugbyfan das Herz.



SC Frankfurt 1880 – SC Germania List 94:3: Souverän, mit kleinen Fehlern


Der SC Frankfurt 1880 hat auch die SC Germania List mit großer Deutlichkeit besiegt und beim 94:3 früh keinen Zweifel am Ausgang gelassen. Das Spiel war schnell entschieden, der Unterschied in Tempo, Qualität und Durchschlagskraft zu groß.


Frankfurts Trainer Byron Schmidt zeigte sich mit dem Resultat zufrieden, verwies aber auch auf unsaubere Phasen. Neben sehr guten Sequenzen habe es Momente gegeben, in denen sich seine Mannschaft unnötige Fehler erlaubt habe. Das sagt vor allem etwas über den Maßstab, den Frankfurt an sich selbst anlegt. Selbst ein Sieg in dieser Höhe wird nicht einfach abgehakt, sondern auf jene Details geprüft, die gegen stärkere Gegner ins Gewicht fallen könnten.


Schmidt zollte zugleich dem Gegner Respekt. Germania habe unter schwierigen Umständen durchgehalten und sich dem Spiel gestellt. Für Frankfurt war es ein klarer Pflichtsieg. Für die List blieb ein harter Nachmittag, an dem immerhin die Widerstandskraft vom Gegner anerkannt wurde.



Rugby Club Luxembourg – TSV Handschuhsheim 7:43: Früh hin, klar gewonnen


Der TSV Handschuhsheim hat seine früh angesetzte Auswärtspartie beim Rugby Club Luxembourg mit 43:7 gewonnen und die Pflichtaufgabe ohne größere Umwege erledigt. Der Sieg fiel klar aus, der Auftrag war früh erfüllt.


Viel deutet darauf hin, dass der TSV die Partie seriös anging und nie ernsthaft in Schwierigkeiten geriet. Luxemburg stieß gegen einen körperlich und spielerisch stärkeren Gegner erneut an Grenzen. Mehr brauchte es aus Handschuhsheimer Sicht an diesem Wochenende nicht: fünf Punkte, ein klarer Sieg, ein sauber erledigter Arbeitstag.

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