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Wiedergutmachung, Pflichtsieg, Stolpergefahr

  • Rugby-News Team
  • vor 6 Stunden
  • 9 Min. Lesezeit

Vor dem 13. Spieltag der Bundesliga geht es für mehrere Klubs nicht nur um Punkte, sondern auch um Haltung. Germania List sucht nach dem Derby die richtige Reaktion, Neuenheim darf sich in Berlin keine Nachlässigkeit erlauben, und die RG Heidelberg steht in München vor einer Prüfung, die weniger Glanz als Reife verlangt.



SC Germania List – Rugby Club Luxembourg: Reaktion gesucht, Widerstand erwartet

Für die SC Germania List ist diese Partie mehr als die nächste Aufgabe gegen einen Tabellennachbarn. Nach der schmerzhaften Derby-Niederlage gegen Hannover 78, die man im Klub durchaus für vermeidbar hält, geht es nun darum, die richtige Antwort zu geben – sportlich, mental und tabellarisch. Dass der Gegner ausgerechnet Rugby Club Luxembourg heißt, verleiht dem Nachmittag zusätzliche Schärfe. Das Hinspiel verloren die Hannoveraner knapp. „Da haben wir noch etwas gutzumachen“, sagt Germania-Trainer Johannes Augspurger.


Seine Worte zeigen, dass die Derby-Niederlage noch nachwirkt, ohne die Mannschaft zu lähmen. Die Osterpause sei hilfreich gewesen, sagt Augspurger; nach intensiven Wochen habe man bewusst kurz Luft geholt, „ein bisschen die Wunden geleckt“ und sich dann gezielt auf diese Partie vorbereitet. Der Ton ist nicht laut, aber eindeutig. Germania erwartet „ein hartes, spannendes Spiel gegen einen guten Gegner“ – und will es gewinnen.


Dass Augspurger die personelle Lage trotz einiger Ausfälle bemerkenswert positiv beschreibt, passt ins Bild. Der Kader sei „sehr, sehr stark“, 22 Spieler stünden bereit, zwei weitere seien auf Abruf verfügbar. Bemerkenswert ist vor allem, wie offensiv er den Nachwuchs hervorhebt: Acht Akteure im Aufgebot sind noch unter 21 Jahren. Das erzählt nicht nur von personellen Zwängen, sondern auch von einem Selbstverständnis.


Luxemburg wiederum reist mit dem Bewusstsein an, zuletzt zwei sehr unterschiedliche Gesichter gezeigt zu haben. Da war einerseits der beachtliche 22:7-Erfolg gegen den Heidelberger RK, bei dem der RCL physisch, diszipliniert und zielstrebig auftrat. Und da war andererseits das 7:43 im Nachholspiel gegen den TSV Handschuhsheim, in dem die Mannschaft nie wirklich Zugriff fand. Genau dort setzt auch Maxim Kenens an.


Man wolle es „besser machen als gegen den TSV“, sagt der Luxemburger Spieler Maxim Kenens, weil man in jener Partie nie richtig ins Spiel gekommen sei. Stattdessen solle nun wieder an die Leistung gegen den HRK angeknüpft werden.



Sportlich spricht einiges für die Gastgeber. Germania hat Heimrecht, die größere Kaderbreite und nach dem Derby erkennbar etwas zu beweisen. Luxemburg allerdings ist genau die Art von Gegner, an der man sich leicht verschlucken kann: unangenehm, körperlich präsent, in guten Phasen durchaus in der Lage, einem Spiel den Rhythmus zu nehmen.


Oder anders gesagt: Für Germania ist es eines jener Spiele, die man nicht groß aufladen muss, weil ihre Bedeutung ohnehin offen zutage liegt. Wer nach einem bitteren Derby zeigen will, dass er sich nicht aus dem Tritt bringen lässt, sollte genau solche Nachmittage für sich entscheiden.



Berliner RC – SC Neuenheim: Außenseiter unter Druck, Favorit ohne Schonfrist

Wenn der SC Neuenheim am Samstag beim Berliner RC antritt, sind die Rollen auf den ersten Blick klar verteilt. Der Tabellenzweite reist mit Rückenwind in die Hauptstadt, der BRC steht weiterhin am unteren Ende der Tabelle und weiß, dass die Zahl der verbleibenden Gelegenheiten kleiner wird. Gerade deshalb aber dürfte diese Partie für den Favoriten unangenehmer werden, als es die Konstellation zunächst vermuten lässt.


In Berlin ist der Ernst der Lage längst offen ausgesprochen. Trainer Ares van Look macht keinen Hehl daraus, dass es für seine Mannschaft in der Schlussphase der Saison „um alles“ geht. Das Saisonende rücke näher, und genau deshalb sei die Osterpause nicht zum Durchatmen, sondern zur Arbeit genutzt worden. Nach dem deutlichen 14:61 gegen die RG Heidelberg habe man gezielt an den eigenen Schwachstellen gearbeitet. Nun gehe es darum, diese Arbeit „auf den Platz zu bringen“. Es ist der nüchterne Ton eines Trainers, der die Lage weder beschönigt noch dramatisiert, sondern auf die einzig sinnvolle Antwort setzt: Korrektur durch Konsequenz.


Dass der Gegner alles andere als günstig gewählt ist, weiß van Look selbst. Er erwartet einen „starken SCN, der zurecht auf Platz zwei steht“ und mit neuem Selbstvertrauen aus dem gewonnenen Heidelberger Derby anreist. Neuenheim, so die Berliner Analyse, werde über Ostern kaum untätig gewesen sein. Auch darin steckt Respekt vor einer Mannschaft, die in dieser Saison nicht nur konstant punktet, sondern ihre Überlegenheit häufig schon über Rhythmus und Spieltempo herstellt.


Genau dort will der BRC ansetzen. Berlin wird versuchen, Neuenheims schnelles Spiel früh zu stören, die Breite aus der Partie zu nehmen und vor allem im Sturm jene Widerständigkeit zu entwickeln, die van Look von seiner Mannschaft einfordert. „Im Sturm wie gewohnt sehr unangenehm sein“ – das ist der Plan gegen ein Team wie den SCN. Denn wenn Berlin dieses Spiel offenhalten will, dann kaum über Leichtigkeit, sondern über Härte, Beharrlichkeit und die Fähigkeit, den Favoriten immer wieder in unkomfortable Phasen zu zwingen.


Für Neuenheim wiederum liegt die Gefahr gerade darin, dass diese Partie auf dem Papier leichter aussieht, als sie es auf dem Platz womöglich wird. Der SCN bringt die klar bessere Saison, die höhere individuelle Qualität und die deutlich stabilere Struktur mit. Aber Berlin spielt inzwischen nicht mehr um Zwischentöne, sondern um Substanz. Und Mannschaften in solcher Lage neigen selten dazu, sich widerstandslos in ihr Schicksal zu fügen.


So ist diese Begegnung für den Tabellenzweiten vor allem ein Test auf Ernsthaftigkeit. Für Berlin geht es ums Überleben im Wettbewerb, für Neuenheim darum, keine Nachlässigkeit in eine komplizierte Auswärtsaufgabe kippen zu lassen. Der Favorit kommt aus Heidelberg. Aber der BRC wird alles daransetzen, dass sich dieser Nachmittag nicht wie eine Routineaufgabe anfühlt.



München RFC – RG Heidelberg: Anspruch auf Platz drei, Gefahr in der Fremde

Für die RG Heidelberg gehört dieses Spiel in jene Kategorie, die auf dem Weg nach oben nicht spektakulär wirken muss, aber gewonnen werden sollte, wenn der Anspruch auf Rang drei mehr sein will als eine Momentaufnahme. Auswärts in München, nach langer Reise, gegen einen Gegner, der zu Hause ein anderes Gesicht zeigt als in der Fremde: Es ist genau die Art von Partie, in der man an Stabilität gemessen wird, nicht an Glanz.


Gareth Jackson formuliert das entsprechend unmissverständlich. München sei „zu Hause ein ganz anderes Kaliber“, sagt der RGH-Trainer, und in Verbindung mit der erneuten langen Anreise werde das „eine harte Herausforderung“. Mehr noch: Es sei eines jener Spiele, in denen seine Mannschaft bestehen müsse, „wenn wir es mit dem dritten Platz ernst meinen“. In diesem Satz steckt der ganze Maßstab dieser Begegnung. Heidelberg spielt nicht bloß gegen einen Tabellensiebten, sondern gegen die Gefahr, auf dem Weg zur eigenen Zielmarke ins Stolpern zu geraten.


Dass Jackson genau dieses Motiv selbst aufruft, ist bezeichnend. Wie schon beim Berliner RC sieht er auch in München das Potenzial einer Stolperfalle. Dazu kommt, dass die RG Heidelberg den Sieg in Berlin teuer bezahlt hat. Einige Spieler gingen dort angeschlagen aus der Partie, die Mannschaft muss ihre Spielweise deshalb anpassen. Das verrät auch etwas über den Zustand dieses Teams: Heidelberg versteht inzwischen, dass man in dieser Phase der Saison nicht mehr nur mit Idealbesetzung und Idealrhythmus bestehen muss, sondern auch mit Korrekturen, Widerstand und Pragmatismus. „Wir haben in letzter Zeit echte Widerstandsfähigkeit bewiesen“, sagt Jackson. Gemeint ist weniger Pathos als Belastbarkeit.


Auch der Spielplan trägt seinen Teil zur Schärfe dieser Wochen bei. Verschiebungen, enge Taktung, zusätzliche Unruhe durch den Kalender – all das zwingt die RGH dazu, präsent zu bleiben. Jackson spricht genau davon: Man müsse auf dem aufbauen, was seit Weihnachten begonnen worden sei. Hinter dieser Formulierung steht eine Mannschaft, die in der zweiten Saisonhälfte erkennbar an Festigkeit gewonnen hat und nun zeigen muss, dass diese Entwicklung auch unter erschwerten Bedingungen trägt.


München wiederum geht mit deutlich anderen Vorzeichen in die Partie. Alan Moughty erwartet ein „extrem schwieriges und physisches Spiel“ gegen eine Heidelberger Mannschaft, die sich in dieser Saison „massiv verbessert“ habe. Das ist eine klare Anerkennung der Kräfteverhältnisse. Zugleich muss der München RFC derzeit mit erheblichen personellen Problemen umgehen. 18 Spieler stehen Moughty nach eigener Aussage aktuell nicht zur Verfügung – eine Zahl, die gerade zu Beginn eines Laufs von drei Spielen in Serie schwer wiegt. Von idealen Voraussetzungen kann also keine Rede sein.


Gerade deshalb lag der Münchner Fokus zuletzt weniger auf großen strategischen Verschiebungen als auf Notwendigkeit und Anpassung. Es ging darum, neue Kombinationen zusammenzuführen und Spielern Minuten zu geben, damit die Mannschaft unter den gegebenen Umständen so belastbar wie möglich bleibt.


Das ist keine dankbare Ausgangslage, bestimmt aber den Charakter dieser Partie entscheidend mit: München wird nicht aus dem Vollen schöpfen können, dürfte aber umso mehr über Geschlossenheit, Physis und Heimwiderstand kommen wollen.


So trifft in München ein Gastgeber mit deutlich eingeschränkten personellen Mitteln auf einen Favoriten, der sich seiner Aufgabe sehr bewusst ist. Die RGH bringt die klarere Saison, die stabilere Form und das größere Ziel mit. Der MRFC aber hat zu Hause oft mehr Biss, mehr Widerstand und mehr Substanz gezeigt als auswärts. Genau darin liegt die Prüfung für Heidelberg. Wer Dritter bleiben will, muss solche Nachmittage nicht glänzend, aber seriös zu Ende spielen.



TSV Handschuhsheim – Hannover 78: Offenes Spiel ohne Ausrede

Dieses Duell trägt nicht die Wucht eines großen Derbys, wohl aber beträchtliche sportliche Spannung. Hannover 78 reist als Tabellenvierter nach Handschuhsheim, der TSV folgt mit nur drei Punkten Abstand und weiß: Allzu viel lässt sich tabellarisch womöglich nicht mehr verschieben, bedeutungslos ist diese Partie deshalb noch lange nicht.


In Handschuhsheim ist der Ton entsprechend klar. Man gehe „vorfreudig“ in das Spiel, sagt Pressesprecher Moritz Bayer, und zwar in dem Bewusstsein, dass gegen Hannover etwas möglich sei, wenn die eigene Leistung abgerufen werde. Der TSV will an den Auswärtssieg in Luxemburg anknüpfen, vor allem in Haltung und Kampfbereitschaft. Zugleich benennt Bayer präzise, wo die Aufgabe liegt: mehr Disziplin, gerade nach der Pause, und mehr Effizienz in der gegnerischen 22. Straftritte und Gelbe Karten wie zuletzt könne man sich gegen 78 nicht erlauben, weil Hannover das bestrafen werde.


Dass der TSV zuletzt viele Spiele in kurzer Folge hatte, wird in Handschuhsheim registriert, aber nicht als Schutzbehauptung vorgetragen. Es gebe zwar ein paar kleinere Beschwerden, der Kader sei im Kern aber stabil geblieben. „Das darf keine Ausrede sein“, sagt Bayer. Der Druck sei durch die sichere Position im Mittelfeld eher kleiner geworden – als Freifahrtschein will man das allerdings nicht verstanden wissen. Handschuhsheim spielt auf Sieg, mindestens aber auf Punkte.


Hannover wiederum erwartet genau die Partie, die man in solchen Wochen erwarten muss: physisch, unangenehm, fordernd. Trainer Jarrod Saul spricht von einem „ziemlich harten Spiel“ und verweist vor allem auf die Stärke des TSV im Sturm. Gerade dort werde sich zeigen, wie seine Mannschaft dagegenhält. Trotz der Spielpause sei Hannover weiter von Verletzungen betroffen, sagt Saul, doch der Ton bleibt entschlossen: Man werde „das Beste aus dem machen, was wir haben“, und er wisse, dass seine Spieler alles auf dem Platz lassen würden.


Sportlich liegt Hannovers Fokus weniger auf großen Anpassungen als auf den Grundlagen. Saul will den Kampfgeist aus dem letzten Spiel mitnehmen, in den Basiselementen sauber arbeiten, tief tackeln und die Zahl der Handlingfehler niedrig halten. Das klingt schlicht, ist in Spielen dieser Art aber meist der entscheidende Punkt. Denn Handschuhsheim wird versuchen, über Physis, Geduld und Druckphasen zu kommen; Hannover braucht dagegen Ordnung, Widerstand und Präzision.


Vieles spricht deshalb für eine enge Partie. Der TSV spielt gelöster, aber keineswegs nachlässig. Hannover steht etwas höher, muss sich aber auf einen Gegner einstellen, der gerade zu Hause unangenehm werden kann. Es ist kein Spiel für große Schönheiten – eher eines für die Mannschaft, die ihre Fehler besser im Griff hat.



Heidelberger RK – SC Frankfurt 1880: Außenseiter mit Erinnerung, Favorit mit Anspruch

Auf dem Papier ist die Lage eindeutig. Der SC Frankfurt 1880 reist als unangefochtener Tabellenführer zum Heidelberger RK und ist auch diesmal klarer Favorit. Doch gerade in Heidelberg gibt es gute Gründe, diese Partie nicht vorschnell als bloße Pflichterfüllung des Spitzenreiters abzutun.


HRK-Coach Steffen Liebig macht aus den Kräfteverhältnissen keinen Hehl, verweist aber zugleich auf jene Erinnerungen, aus denen sich Selbstvertrauen ziehen lässt. In der Hinrunde habe man zur Pause 7:7 gestanden – kein anderes Team habe das in dieser Saison gegen Frankfurt geschafft. Auch in der vergangenen Spielzeit sei man erst in letzter Minute am Bonuspunkt gescheitert. Für Liebig ist das mehr als eine Randnotiz: Wenn seine Mannschaft die Herausforderung annehme, dann könne sie auch gegen Frankfurt zu Punkten kommen.


Gleichwohl setzt der HRK den Akzent nicht allein auf das Ergebnis. Wichtiger ist zunächst, Schwung für die letzten Saisonspiele zu holen. Das mag gegen Frankfurt auf den ersten Blick ungewöhnlich klingen, ist aus Heidelberger Sicht aber folgerichtig. Der Klub nutzt die Partie auch, um Spielern mehr Einsatzzeit zu geben, die sich zuletzt gut entwickelt haben, und arbeitet zugleich weiter an der Kadertiefe mit Blick auf die kommende Saison. Notgedrungen gehört auch das zur Lage, denn das Lazarett bleibt groß. Nun fällt auch noch Co-Kapitän Haakon Oeß für mehrere Wochen aus, die Rückkehr von Lennox Wiese und Ersin Aydin verzögert sich ebenfalls. Insgesamt fehlen dem HRK weiterhin rund ein Dutzend Spieler, die sonst regelmäßig Teil des Kaders wären.


Frankfurt wiederum reist mit einer Mischung aus Favoritenstatus und Unzufriedenheit an. Byron Schmidt erwartet ein „hartes Spiel“ gegen einen Klub mit „sehr stolzer Geschichte“ und lässt durchblicken, dass der klare Sieg gegen München intern keineswegs als rundum zufriedenstellender Auftritt verbucht wurde. In einigen Bereichen sei man mit der eigenen Leistung nicht glücklich gewesen, nun gehe es darum, genau diese Dinge zu korrigieren. Auch das ist ein typischer Zug dieses Tabellenführers: Frankfurt misst sich längst nicht mehr nur am Resultat, sondern am Niveau der eigenen Ausführung.


So liegt der Reiz dieser Partie in unterschiedlichen Zielrichtungen. Frankfurt will seine Dominanz sauberer und konsequenter auf den Platz bringen. Der HRK wiederum sucht weniger das Wunder als einen belastbaren Auftritt, aus dem sich Zuversicht für den Saisonendspurt gewinnen lässt. Der Favorit ist eindeutig. Aber Heidelberg hat zumindest Gründe, dieses Spiel nicht als bloße Formsache zu behandeln.

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