Dritte Halbzeit - Favoriten und Fallhöhen
- Rugby-News Team
- vor 2 Stunden
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Ein Spiel kippt mit der letzten Aktion, mehrere Favoriten setzen ein Ausrufezeichen, und mancher Außenseiter bleibt trotz klarer Niederlage nicht ohne Argumente: Der 13. Bundesligaspieltag zeigte, wie schmal der Grat zwischen Beharrlichkeit, Präzision und Kontrollverlust im Rugby sein kann.

SC Germania List – Rugby Club Luxembourg 24:20: Kostspieliger Fehler am Ende
Es wurde genau die Partie, die sich angekündigt hatte: eng, körperbetont, unerquicklich für beide Seiten – und mit dem besseren Ende für die SC Germania List. Die Hannoveraner gewannen gegen den Rugby Club Luxembourg mit 24:20; entschieden wurde die Begegnung erst mit der letzten Aktion. Für Germania war es ein wichtiger Sieg, für Luxemburg eine Niederlage, die gerade wegen ihres Verlaufs besonders schmerzen dürfte.
Germania Coach Johannes Augspurger sprach hinterher von dem „erwarteten, harten, knappen Spiel“ und traf damit den Charakter des Nachmittags ziemlich genau. Vieles war ausgeglichen: die Gasse, das offene Spiel, über weite Strecken auch die Kräfteverhältnisse insgesamt. Vorteile sah der Germania-Trainer vor allem im Gedränge, wo seine Mannschaft dominant gewesen sei. Dass einer der 18-Jährigen im Kader seinen ersten Versuch im Herrenbereich legte, verlieh dem Heimsieg noch eine zusätzliche Note. Vor allem aber überwog die Erleichterung über den Ausgang einer Begegnung, die tabellarisch wie psychologisch Gewicht hatte.
Luxemburg dagegen dürfte sich noch eine Weile über diese Niederlage ärgern. Trainer Antoine Alric nannte das Resultat „sehr frustrierend“, weil seine Mannschaft die Partie aus seiner Sicht selbst in der Hand gehabt habe. Der entscheidende Fehler kam in der 78. Minute: In der eigenen 22 wurde der Ball aus der Hand gespielt, statt die Lage per Befreiungskick zu bereinigen. Die Szene führte dazu, dass Germania mit der letzten Aktion doch noch zum Sieg kam. Bitterer kann ein Spiel für einen abstiegsgefährdeten Gegner kaum kippen.
So bleibt ein Erfolg für Germania, der weniger aus Glanz als aus Beharrlichkeit entstand. Und eine Niederlage für Luxemburg, die nicht nach klarer Unterlegenheit aussieht, sondern nach einem Spiel, das im entscheidenden Moment entglitt.
München RFC – RG Heidelberg 21:80: Die RGH lässt nichts liegen
Die RG Heidelberg hat ihre Auswärtsaufgabe beim München RFC mit bemerkenswerter Klarheit gelöst und beim 80:21 kaum Zweifel daran gelassen, warum sie den dritten Platz derzeit mit Nachdruck verteidigt. Was auf dem Papier nach einer möglichen Stolperfalle hatte aussehen können, wurde auf dem Platz zu einer ziemlich eindeutigen Angelegenheit.
Gareth Jackson, Trainer der RG Heidelberg, sagte hinterher, er habe die Gefahr eines Ausrutschers durchaus gesehen. Gerade deshalb fiel seine Bewertung so deutlich aus: Seine Mannschaft habe „in jeder Hinsicht hervorragend gespielt“, und das Ergebnis spiegele genau wider, wo die RGH derzeit als Team stehe. Tatsächlich war es genau die Art von Auftritt, die ein Spitzenteam in dieser Saisonphase zeigen muss: konzentriert, effizient und ohne längere Schwächephase.
Beim München RFC blieb vor allem der Eindruck eines Spiels, das früh gegen die Gastgeber kippte. Alan Moughty sprach von einem harten Nachmittag, an dem schon in der ersten Halbzeit einige Verletzungen zusätzliche Unruhe gebracht hätten. Vor allem aber sei der Ball zu leicht hergeschenkt worden. Gegen die Hintermannschaft der RG Heidelberg, so Moughty, sei das umgehend bestraft worden. Die RGH habe diese Fehler „gnadenlos aufgenommen und ausgenutzt“. Die zweite Halbzeit sei aus seiner Sicht besser gewesen, am grundsätzlichen Kräfteverhältnis habe das aber nichts mehr geändert.
Ganz ohne Widerstand verlief die Partie dennoch nicht. Jackson lobte ausdrücklich, dass München nie aufgegeben habe und in den Schlussminuten noch mit allem auf einen Bonuspunkt gedrängt habe. Umso zufriedener zeigte sich der Heidelberger Trainer darüber, dass seine Mannschaft nach einer langen Defensivsequenz doch noch den Ballverlust erzwang. Gerade auf solche Szenen legte er Wert: Die RGH hätte den Gegner dort noch herankommen lassen können, hielt aber mit viel Einsatz und Stolz dagegen – auch durch die Einwechselspieler.
Für München bleibt damit eine deutliche Niederlage, in der sich Frust und Anerkennung mischen. Frust, weil man eigene Chancen auf den Bonuspunkt ungenutzt ließ. Anerkennung, weil der Gegner an diesem Tag schlicht die reifere, präzisere und eingespieltere Mannschaft war. Für die RG Heidelberg wiederum war dieser Sieg mehr als nur ein weiterer Erfolg: Er belegte, dass sie derzeit auch jene Auswärtsspiele mit Ernst und Autorität behandelt, die in früheren Wochen vielleicht noch gefährlicher geworden wären.
Berliner RC – SC Neuenheim 7:62: Klarer als das Spiel
Der SC Neuenheim hat seine Auswärtsaufgabe beim Berliner RC mit 62:7 klar gelöst, musste dafür aber mehr Arbeit investieren, als das Ergebnis auf den ersten Blick erzählt. Vor allem in der ersten Halbzeit war es genau die physische, unangenehme Partie, die in Berlin zu erwarten gewesen war.
Ares van Look, Trainer des Berliner RC, sprach von einem „sehr, sehr physischen“ Spiel. Früh habe sein Team nach einem Abstimmungsfehler direkt Punkte kassiert, danach aber vor allem über die Standards gut in die Partie gefunden. Gerade dort sah van Look seine Mannschaft sogar mit klaren Vorteilen und hob ausdrücklich die Leistung der Stürmer hervor. Das Problem lag aus Berliner Sicht woanders: Mehrere gute Phasen in der gegnerischen 22 brachten keine Punkte ein. Der BRC war schlicht nicht konsequent genug im Abschluss. So stand es zur Pause bereits 0:24.
Neuenheim wiederum nahm genau diesen Widerstand an. SCN Coach Alexis Michel sprach von dem erwarteten harten und körperbetonten Spiel in Berlin. Nach dem frühen Versuch habe der BRC mit Intensität und einem starken Gedränge geantwortet. Entscheidend sei gewesen, dass der SCN in der Verteidigung diszipliniert geblieben sei und daraus genug Druck aufgebaut habe, um bis zur Halbzeit vier Versuche zu erzielen.
In der zweiten Hälfte wurde der Unterschied dann deutlicher. Van Look sah vor allem Fehler in der eigenen Defensive als Ursache. Die Gegenangriffe des SCN hätten „fast jedes Mal zum Versuch geführt“, sagte der Berliner Trainer. Genau darin lag der große Unterschied dieses Nachmittags: Berlin hatte gute Phasen und machte dem Tabellenzweiten das Spiel schwerer, als es das Endergebnis vermuten lässt. Neuenheim aber war in den entscheidenden Momenten deutlich schärfer und bestrafte Fehler mit der Konsequenz eines Spitzenteams.
Auch Michel beschrieb die zweite Halbzeit als offener; beide Teams hätten versucht, den Ball zu bewegen und Rugby zu spielen. Für Neuenheim sei das ein fordernder und wertvoller Test gewesen. Zugleich richtet sich der Blick bereits auf die nächste große Aufgabe gegen die RG Heidelberg. Überschattet wurde der klare Sieg dabei von einer weiteren Verletzung: Luke Wakefield zog sich in der letzten Minute eine Blessur zu; zudem fehlen bereits Felix Lammers und René Lieb.
So bleibt unter dem Strich ein sehr deutlicher Sieg für Neuenheim, der sportlich nie ernsthaft in Gefahr geriet, aber keineswegs mühelos zustande kam. Berlin konnte die eigene Physis und Qualität in den Standards zeigen, ließ daraus aber zu wenig Ertrag entstehen. Der SCN dagegen tat, was Spitzenteams in solchen Spielen tun: geduldig bleiben, sauber verteidigen und die offenen Räume später mit Nachdruck nutzen.
TSV Handschuhsheim – Hannover 78 61:24: Ein Sieg mit Signalwirkung
Mit einem derart deutlichen Ausgang war vor dieser Partie kaum zu rechnen. Doch der TSV Handschuhsheim ließ Hannover 78 beim 61:24 kaum Luft und untermauerte mit einem überraschend klaren, in der Sache aber offenbar verdienten Heimsieg, wie gefährlich diese Mannschaft sein kann, wenn sie Rhythmus, Disziplin und Spielfreude zusammenbringt.
Moritz Bayer, Pressesprecher des TSV Handschuhsheim, sprach von einem „überraschend deutlichen, aber auch in der Höhe verdienten“ Erfolg und hob vor allem die Geschlossenheit des Auftritts hervor. Besonders in den Standards sei der TSV nahezu makellos gewesen: keine verlorene Gasse, kein verlorenes Gedränge, dazu spürbarer Druck auf die Einwürfe der Gäste. Gerade auf diesem Niveau ist das oft schon die halbe Miete – und diesmal die Grundlage für weit mehr.
Hinzu kam ein Angriffsspiel, das nicht nur effizient, sondern auch bemerkenswert variabel wirkte. Bayer nannte mehrere Spieler ausdrücklich. Danny Colgan legte erneut zwei Versuche und hat damit nach Vereinszählung nun sieben in den vergangenen drei Spielen erzielt. Marius de Giacomoni traf acht von neun Erhöhungen und steuerte selbst zwei Versuche bei. Als prägende Figur sah Bayer allerdings Niki Bechtel. Er habe das Spiel gelenkt, mit seinen Kicks Räume geöffnet, Mitspieler eingesetzt und selbst immer wieder Gefahr ausgestrahlt. Den letzten Versuch habe Bechtel nach abgefangenem Ball selbst gelegt und anschließend per Dropgoal veredelt – als beinahe demonstrativen Schlusspunkt eines starken Auftritts.
Dass der Sieg nicht nur wirksam, sondern auch ansehnlich war, unterstrich Bayer ebenfalls. Hannover sei jederzeit auf Angriff gepolt gewesen, das Spiel deshalb offen und attraktiv. Auch die Atmosphäre spielte eine Rolle: Rund 300 lautstark unterstützende Zuschauer machten den Nachmittag für den TSV offenkundig noch größer. Selbst die Spielleitung fand lobende Erwähnung – ein eher seltenes, aber bezeichnendes Detail.
Auf Seiten von Hannover 78 war der Ton deutlich nüchterner. Jarrod Saul sprach von „einem harten Tag“ und zeigte sich weder mit der Verteidigung noch mit dem Angriff seiner Mannschaft zufrieden. Zugleich verwies er auf die schwierigen personellen Umstände: Mit nur 17 Spielern anzureisen, erschwere eine solche Aufgabe erheblich. Saul verband die Kritik an der eigenen Leistung allerdings mit einem klaren Lob für den Gegner. Der TSV sei „eine andere Mannschaft als im vergangenen Jahr“, deutlich kreativer im Angriff und insgesamt schwerer zu kontrollieren.
Genau darin lag der Kern dieser Partie. Hannover war nicht nur unterlegen, sondern traf auf einen Gastgeber, der in Struktur, Kreativität und Standardschärfe einen seiner besten Auftritte der Saison zeigte. Für den TSV ist dieser Sieg deshalb mehr als nur ein deutlicher Heimerfolg. Er ist ein Fingerzeig darauf, dass diese Mannschaft an einem guten Tag nicht nur mithalten, sondern nahezu jeden Gegner der Liga ernsthaft unter Druck setzen kann.
Heidelberger RK – SC Frankfurt 1880 7:74: Die rasche Antwort des Tabellenführers
Der SC Frankfurt 1880 hat auch in Heidelberg keine Zweifel an den Kräfteverhältnissen aufkommen lassen und den Heidelberger RK mit 74:7 deutlich besiegt. Für den Tabellenführer war es nicht nur der nächste klare Erfolg, sondern vor allem eine erkennbare Reaktion auf den Auftritt in der Vorwoche gegen München.
Byron Schmidt zeigte sich nach dem Spiel entsprechend sehr zufrieden. Sowohl die Struktur im Angriff als auch die Defensivarbeit seien „deutlich besser“ gewesen als zuletzt. Frankfurt wirkte damit wieder näher an jenem Standard, an dem sich diese Mannschaft inzwischen selbst misst. Gerade auf beiden Seiten des Balls habe sein Team einen klaren Schritt nach vorne gemacht, sagte Schmidt.
Dabei begann der Heidelberger RK nach Frankfurter Einschätzung durchaus ordentlich. Schmidt hob hervor, dass der HRK gut in die Partie gekommen sei. Umso beeindruckender sei es gewesen, wie konsequent seine Mannschaft die sich bietenden Chancen genutzt habe. Genau darin lag dann auch der Unterschied: Heidelberg hielt anfangs noch dagegen, Frankfurt aber war in der Ausführung deutlich schärfer und zog das Spiel früh auf seine Seite.
So wurde die Partie letztlich zu einem weiteren Beleg dafür, dass der Spitzenreiter nicht nur gewinnt, sondern auch auf intern weniger zufriedenstellende Auftritte unmittelbar reagieren kann. Gegen den HRK tat Frankfurt das mit bemerkenswerter Klarheit.



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