Dritte Halbzeit - Berlin hält den Abstiegskampf offen
- Rugby-News Team
- vor 1 Tag
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Der Spieltag brachte klare Ergebnisse, aber nicht überall klare Verläufe. Handschuhsheim gewann sein letztes Heimspiel verdient, Frankfurt bestrafte die RGH mit der gewohnten Schärfe, Neuenheim sicherte das Finale schon in der ersten Halbzeit. München nutzte Hannovers Probleme konsequent. Und in Berlin gewann der BRC ein Spiel, das den Abstiegskampf noch einmal verändert.

TSV Handschuhsheim – SC Germania List 40:17 - Klarer Sieg mit Reibung
Der TSV Handschuhsheim hat sein letztes Heimspiel der Saison mit 40:17 gegen die SC Germania List gewonnen. Das Ergebnis wirkt eindeutig, der Weg dorthin war aus Sicht der Gastgeber aber weniger sauber, als es die Zahlen vermuten lassen.
Lukas Rosenthal, Trainer des TSV Handschuhsheim, sprach von einem „sehr versöhnlichen letzten Heimspieltag“, war mit dem Auftritt aber nicht durchgehend zufrieden. Seine Mannschaft leistete sich zu viele Straftritte, zu viele Undiszipliniertheiten und ließ zu viele Chancen liegen. Mehrfach kam der TSV tief in die gegnerische 22, teilweise bis ins Malfeld, wurde dort aber hochgehalten. Das machte die Partie umkämpfter, als sie aus Handschuhsheimer Sicht hätte sein müssen.
Rosenthal führte das auch auf die personelle Lage zurück. Die Saison habe Spuren hinterlassen, Teile der Mannschaft wirkten ausgelaugt. Dazu kamen kurzfristige Ausfälle, unter anderem von Justin Renc. Mit ausgedünnter Besetzung fehlte in Standards und Passspiel die Sicherheit, die der TSV in den vergangenen Wochen häufiger gezeigt hatte. Umso wichtiger war für Rosenthal, dass seine Mannschaft die entscheidenden Punkte dennoch holte und mit einem Heimsieg in das letzte Saisonspiel gegen München geht.
Johannes Augspurger, Trainer der SC Germania List, beschrieb ein Bild, das dazu passte. Er sprach von einem erwartbar harten Spiel und sah Handschuhsheim vor allem im Sturm überlegen. Dort habe der TSV seine Möglichkeiten gut genutzt. Germania habe ordentlich gespielt, ordentlich verteidigt und sich mit zwei Versuchen zumindest belohnt. Seine Mannschaft fiel nicht auseinander, sondern nahm das Spiel an.
Auch Rosenthal hielt den Gästen zugute, dass sie tapfer verteidigten und sich nie aufgaben. Germania machte es dem TSV schwerer, als das Ergebnis nahelegt. Augspurger sprach zudem von einem schönen und fairen Rugbyspiel, in dem beide Mannschaften erkennbar Lust hatten zu spielen.
So bleibt ein verdienter Sieg des TSV, aber kein makelloser. Handschuhsheim hatte mehr Wucht, mehr Zug zum Malfeld und die klarere Durchschlagskraft. Germania verteidigte standhaft und setzte eigene Akzente, konnte die Überlegenheit des TSV im Sturm aber nicht ausgleichen. Für Handschuhsheim war es ein guter letzter Heimauftritt. Für Germania bleibt trotz der Niederlage ein ordentlicher kämpferischer Eindruck.
SC Frankfurt 1880 – RG Heidelberg 52:7 - Frankfurt lässt nichts liegen
Der SC Frankfurt 1880 hat auch gegen die RG Heidelberg keine Zweifel aufkommen lassen. Das 52:7 gegen den Tabellendritten war kein Spiel, in dem sich die Kräfteverhältnisse langsam entwickelten. Frankfurt nutzte seine Vorteile früh und konsequent. Heidelberg hielt ersatzgeschwächt dagegen, fand aber nie dauerhaft in die Partie.
Byron Schmidt, Trainer des SC Frankfurt 1880, war mit dem Auftritt seiner Mannschaft entsprechend zufrieden. In einigen Bereichen habe Frankfurt „sehr stark“ gespielt, sagte er. Gleichwohl gebe es weiter Dinge, die besser werden müssten. Das passt zu diesem Team: Selbst nach einem klaren Sieg gegen den Dritten richtet sich der Blick weniger auf das Ergebnis als auf die Qualität einzelner Phasen. Schmidt hob zudem hervor, dass die Partie in gutem Geist gespielt worden sei.
Bei der RG Heidelberg klang die Einordnung anders, aber nicht bloß niedergeschlagen. Gareth Jackson, Trainer der RG Heidelberg, sprach von einer harten Woche mit vielen Verletzungen und lobte ausdrücklich die Spieler, die kurzfristig eingesprungen waren. Darauf sei er stolz. Heidelberg kam personell angeschlagen nach Frankfurt und musste schon vor dem Anpfiff improvisieren.
Jackson hatte seiner Mannschaft mitgegeben, sich an diesem Tag mit der besten Mannschaft in Deutschland zu messen und zu zeigen, warum die RGH auf Platz drei steht. Das gelang nicht in der gewünschten Form. Die Partie habe aber deutlich gezeigt, wo die Mannschaft derzeit stehe und was für den nächsten Schritt noch fehle. Jackson sprach in diesem Zusammenhang von einem weiteren starken Sommer, den Heidelberg nun brauche.
Den Unterschied benannte der RGH-Trainer klar. Frankfurt mache die einfachen Dinge sehr gut und nutze jeden Fehler aus. Genau darin lag die Schärfe des Tabellenführers. Wo Heidelberg ungenau wurde, kam sofort die Strafe. Gegen Frankfurt werden einzelne Fehler schnell zu einem klaren Ergebnis.
Für die RGH bleibt eine Niederlage, die schmerzt, aber eingeordnet werden kann. Jackson verwies darauf, wie weit sich seine Mannschaft binnen eines Jahres entwickelt habe. Auf diesen Weg könne man stolz sein. Frankfurt bestätigte derweil, warum es in dieser Saison über der Liga steht: mit Ruhe, Präzision und einer Konsequenz, die Fehler kaum verzeiht.
SC Neuenheim – Rugby Club Luxembourg 77:24 - Neuenheim entscheidet früh
Der SC Neuenheim hat sich mit einem 77:24 gegen den Rugby Club Luxembourg den Platz im Finale gesichert. Das war die Hauptsache dieses letzten Heimspiels. Der Verlauf war ungleichmäßiger, als das Ergebnis vermuten lässt: einer klaren ersten Halbzeit folgte ein zweiter Durchgang, in dem Luxemburg sich deutlich besser wehrte.
Alexis Michel, Trainer des SC Neuenheim, sprach von einer „soliden ersten Halbzeit“. Zur Pause führte seine Mannschaft 56:0. Damit war die Partie entschieden. Neuenheim spielte in diesen 40 Minuten mit der nötigen Klarheit, hielt den Gegner früh auf Abstand und machte den Weg ins Endspiel schon vor dem Seitenwechsel deutlich sichtbar.
Nach der Pause veränderte sich das Bild. Michel sagte selbst, die zweite Halbzeit sei schwieriger gewesen. Disziplin und Konzentration hätten nachgelassen. Luxemburg gab nicht auf, spielte hart weiter und kam noch zu vier Versuchen. Dass Michel den Gästen dafür ausdrücklich gratulierte, zeigt, dass der zweite Durchgang kein bloßes Auslaufen des Favoriten war.
Antoine Alric, Trainer des Rugby Club Luxembourg, sah genau darin den kleinen Ertrag eines schweren Nachmittags. Seine Mannschaft sei mit dem Ziel angereist, wenigstens den Bonuspunkt mitzunehmen. Durch die vier Versuche in der zweiten Halbzeit gelang das. Im Abstiegskampf ist das kein nebensächliches Detail. Luxemburg hielt nach dem katastrophalen Start an dem fest, was noch erreichbar war.
Die Lage bleibt dennoch prekär. Weil der Berliner RC gegen den Heidelberger RK gewann, hat Luxemburg den Klassenerhalt nicht mehr in der eigenen Hand. Der Blick geht nun nach Hannover, wo der RCL auf Hilfe angewiesen ist.
Für Neuenheim überwiegt das Wesentliche. Michel sagte, das Wichtigste sei die gesicherte Finalteilnahme gewesen. Genau das gelang. Der SCN entschied das Spiel in der ersten Halbzeit, nahm nach der Pause aber zu viel Schärfe heraus. Luxemburg nutzte das, wehrte sich und holte den Bonuspunkt. Für beide Mannschaften hatte dieser Nachmittag damit einen klaren Ertrag.
München RFC – Hannover 78 59:10 - München bleibt konsequent
Der München RFC hat Hannover 78 mit 59:10 geschlagen und damit einen seiner klarsten Auftritte in der Schlussphase der Saison gezeigt. Die Gastgeber wirkten griffiger, strukturierter und konsequenter als zuletzt. Hannover bekam die lange Reise und die personellen Probleme deutlich zu spüren.
Alan Moughty, Trainer des München RFC, verfolgte die Partie aus Irland und zeigte sich aus der Distanz sehr zufrieden. Moughty lobte ausdrücklich, wie fokussiert die Mannschaft die Linie der Vorwochen fortgesetzt habe. Schon gegen Germania sei die Leistung ordentlich gewesen, trotz der bitteren Niederlage in letzter Minute. Gegen Hannover sei nun der nächste Schritt gelungen.
Besonders zufrieden war Moughty mit der Balance aus Angriff und Verteidigung. Nur einen Versuch zuzulassen, sei stark gewesen. In der Offensive erzielte München elf oder zwölf Versuche und steigerte damit den eigenen Ertrag deutlich. Vor allem in den Standards sah Moughty klare Vorteile. Der MRFC dominierte die Stürmerduelle, die Gassen und die Gedränge. Selbst dort, wo er noch Verbesserungsbedarf sah, etwa in einzelnen späten Gedrängen oder bei manchen Kickoptionen, klang eher Anspruch als Ärger durch.
Dass Hannover mit schwierigen Voraussetzungen anreiste, blendete der Münchner Trainer nicht aus. Der Gegner habe eine lange Anfahrt gehabt und kämpfe wie viele Klubs zum Saisonende mit Verletzungen. Man könne aber nur gegen das spielen, was vor einem stehe, sagte Moughty. Genau das habe München sehr gut gemacht. Er sprach von einer „sehr, sehr, sehr“ guten Schicht seiner Mannschaft und formulierte sofort die nächste Aufgabe: diese Leistung gegen den TSV bestätigen und die Saison auf einem kleinen Hoch beenden.
Bei Hannover 78 fiel die Einordnung kurz aus. Jarrod Saul, Trainer von Hannover 78, sprach von einem „schweren Tag“. Dazu kamen zwei weitere Verletzungen, die die ohnehin lange Ausfallliste verlängern. Viel mehr sagte Saul nicht. Die Kürze passte zu einem Nachmittag, an dem für Hannover wenig zusammenlief.
Die Partie war klarer, als vor dem Anpfiff zu erwarten war. München hatte Präzision, Dominanz in den Standards und mehr Spielfluss. Hannover schleppte sich belastet durch einen Tag, an dem kaum etwas funktionierte und die Verletzungssorgen weiter wuchsen. Für den MRFC ist dieser Sieg ein Schub. Für 78 geht es im letzten Saisonspiel vor allem darum, die Lage nicht noch schwerer werden zu lassen.
Berliner RC – Heidelberger RK 30:5 - Der BRC glaubt wieder
Der Berliner RC hat den Heidelberger RK mit 33:22 geschlagen und sich im Abstiegskampf eine echte Chance bis zum Saisonende bewahrt. Für Berlin war es ein wichtiger Sieg und ein weiterer Beleg dafür, dass diese Mannschaft inzwischen anders durch Spiele geht als noch in der ersten Saisonhälfte.
Ares van Look, Trainer des Berliner RC, sprach von großer Zufriedenheit und großem Stolz. Besonders wichtig sei für ihn, dass seine Mannschaft nicht mehr wie früher in den letzten 10 oder 20 Minuten einbreche. Stattdessen finde sie nun immer besser ins Spiel und drücke ihm ihren Stempel auf. Genau das sei zum richtigen Zeitpunkt gelungen. Berlin habe sich aus einer sehr schwierigen Lage selbst wieder eine Chance erarbeitet, sagte van Look. Darin liege der Wert dieses Sieges.
Der Berliner Trainer machte zugleich klar, dass das Ergebnis kein Zielpunkt ist. Noch sei nichts sicher, noch seien zwei Endspiele zu spielen. Die Euphorie über diesen Erfolg dürfe nur in mehr Einsatz für die nächsten Einheiten und Spiele übergehen. Dass der Kader über die Saison hinweg im Kern relativ stabil geblieben sei, hob van Look ausdrücklich hervor. Gerade deshalb spüre man nun, dass wieder etwas möglich ist. Der Blick gehe trotzdem nur nach vorn.
Steffen Liebig, Trainer des Heidelberger RK, beschrieb ein Spiel, das für seine Mannschaft ordentlich begann und dann immer mehr kippte. Schon beim Warm-up gab es eine weitere Verletzung. Dadurch musste Til Zahner, Spieler des Heidelberger RK, doch in den Kader rücken, obwohl man ihn eigentlich schonen wollte. Heidelberg startete gut, legte einen Versuch und hatte trotz längerer Defensivphasen zunächst vieles unter Kontrolle. Auch ein weiterer möglicher Versuch nach schneller Gasse wurde nicht gegeben, weil der Einwurf die fünf Meter nicht erreicht hatte.
Der entscheidende Punkt lag aus Sicht des HRK in der zweiten Halbzeit. Heidelberg verpasste es, aus einer eigenen Druckphase Punkte zu machen. Stattdessen wurde der BRC mit zunehmender Spieldauer stärker, besonders nach den Wechseln des HRK. Liebig sagte offen, Berlin habe am Ende verdient gewonnen. Zugleich machte er deutlich, dass dem Heidelberger Trainerteam die Einsatzzeit für einige junge Spieler an diesem Tag wichtiger gewesen sei als das reine Ergebnis. Franz Bayer, 18 Jahre alter Spieler des Heidelberger RK, habe ein gutes Debüt gegeben, ebenso Daniel Schumacher, Spieler des HRK.
Trotz dieser positiven Einzelaspekte fiel Liebigs Gesamturteil kritisch aus. Unterm Strich sei das zu wenig gewesen für den eigenen Anspruch. Die vielen Ausfälle von Stammspielern seien real, dürften aber nicht alles erklären. Gerade von einigen Spielern, die künftig in die Startformation drängen wollen, habe man in der zweiten Halbzeit mehr erwartet. Für das letzte Saisonspiel hofft der HRK-Trainer nun auf Rückkehrer aus Urlaub, Hochzeiten und dem Siebener-Bereich.
So wurde dieses Spiel vor allem zu einem Berliner Nachmittag. Der BRC wuchs in die Partie hinein, wurde stabiler und energischer und nutzte Heidelbergs Schwächephasen. Der HRK begann ordentlich, verlor nach der Pause aber an Zugriff und Tiefe. Für Berlin ist es ein Sieg, der Hoffnung nährt. Für Heidelberg zeigt die Niederlage, wie schwer dieser Saisonendspurt personell und sportlich geworden ist.



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