Favoriten unter Druck
- Rugby-News Team
- vor 9 Stunden
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Der vorletzte Blick auf die Hauptrunde zeigt klare Aufgaben. Neuenheim muss in Hannover gewinnen, Frankfurt will gegen Berlin keinen Zweifel zulassen. Dahinter geht es um Bonuspunkte, Revanche und darum, mit welchem Gefühl die Mannschaften in die letzten Wochen gehen.

Hannover 78 – SC Neuenheim: Pflichtspiel mit Haken
Für den SC Neuenheim ist die Lage vor der Reise nach Hannover klar. Wer Platz zwei absichern und die Saison in die entscheidende Phase tragen will, darf sich bei Hannover 78 keine Schwäche erlauben. Auswärts ist das allerdings meist unbequemer, als es die Tabelle nahelegt.
Alexis Michel, Trainer des SC Neuenheim, verzichtet vor dieser Partie auf große Worte. Seine Mannschaft müsse in Hannover gewinnen, sagt er, um „das Schicksal in der eigenen Hand zu behalten“ und das angestrebte Endspiel zu erreichen. Dafür erwartet er eine Reaktion seiner Spieler. Gegen die RG Heidelberg habe der SCN vor allem bei Einsatz und Disziplin nicht das gezeigt, was nötig gewesen wäre. Genau dort soll es wieder schärfer werden. Hannover sei zu Hause ein Gegner mit Qualität, entsprechend rechne er mit einem harten Spiel.
Auch bei Hannover 78 ist der Ton realistisch, aber nicht ängstlich. Jarrod Saul, Trainer von Hannover 78, erwartet eine „ziemlich harte Partie“ gegen eine starke Mannschaft. Man sei gespannt, wie die eigene Mannschaft mit dieser Aufgabe umgehen werde. Trotz der Spielpause ist der Kader weiter von Verletzungen geprägt. Hannover wird erneut nicht aus dem Vollen schöpfen können. Der Trainer macht daraus keine Klage. Man werde aus dem vorhandenen Kader das Beste machen, sagt er. Er sei sicher, dass seine Spieler alles auf dem Feld lassen werden.
Sportlich geht es für Hannover um die Grundlagen. Tief tackeln, sauber bleiben, Handlingfehler vermeiden. Gegen Neuenheim ist das kein Detail. Wer dem SCN Ballbesitz, Räume oder leichte Umschaltmomente gibt, verliert schnell die Kontrolle über dieses Spiel.
So trifft ein Heimteam mit begrenzten personellen Mitteln, aber intakter Widerstandskraft auf einen Favoriten, der über Notwendigkeit definiert ist. Neuenheim muss gewinnen und weiß das. Hannover wird versuchen, diese Pflicht über Physis, Disziplin und Heimdruck unangenehm zu machen. Leicht dürfte es für den Tabellenzweiten nicht werden.
SC Germania List – München RFC: Revanche im Mittelfeld
Es ist ein Spiel, das tabellarisch nicht mehr ganz oben eingreift und dennoch seinen Reiz hat. Wenn die SC Germania List den München RFC empfängt, geht es für beide Mannschaften darum, die Saison nicht auslaufen zu lassen. Das Hinspiel liefert den Rahmen: offen, beweglich, am Ende knapp für Germania.
Johannes Augspurger, Trainer der SC Germania List, erwartet ein hartes Spiel. München werde nach der knappen Niederlage im ersten Duell auf Revanche aus sein. Germania kann dafür auf eine gute personelle Lage bauen. Ein 22-Mann-Kader steht bereit, drei weitere Spieler könnten nachrücken. Das Ziel formuliert der Trainer klar: Heimsieg, möglichst mit Bonuspunkt. Dazu würde er gern „schönes, schnelles Rugby“ sehen. Trockene Bedingungen würden helfen.
Auch in München ist der Blick auf das Ergebnis gerichtet. Alan Moughty, Trainer des München RFC, sagt offen, dass Punkte an diesem Wochenende jeden Blick nach unten endgültig überflüssig machen würden. Dazu kommt die Erinnerung an das Hinspiel. Damals verlor München erst in den Schlussminuten. Diesmal soll der Ausgang anders sein. Der Kader sehe insgesamt ordentlich aus, auch wenn die Abnutzung der Saison spürbar bleibe. In der Hintermannschaft gibt es kleinere Verschiebungen, teils erzwungen, teils bewusst gewählt. München will mehr Tempo auf außen und den Ball schneller in die weiten Kanäle bringen.
Darin liegt der sportliche Reiz. Beide Teams erwarten ein Spiel, das eher über Bewegung als über Zermürbung läuft. Schon das erste Aufeinandertreffen war offen und expansiv. Wenn das Wetter mitspielt, spricht einiges für einen ähnlichen Nachmittag. Entscheidend könnte wieder werden, wer in den letzten Minuten klarer bleibt.
Germania bringt Heimrecht, eine gute Kaderlage und den Wunsch mit, sich noch einmal zu belohnen.
München reist mit Revanchegedanken und einem klaren Ziel an. Das ist kein Spiel für die große Bühne, aber eines, das ansehnlich werden kann.
SC Frankfurt 1880 – Berliner RC: Berlin sucht den Bonus
Auf dem Papier wirkt diese Partie eindeutig. Der SC Frankfurt 1880 empfängt als Tabellenführer den Berliner RC, der weiter um jeden Punkt im Tabellenkeller kämpft. Berlin reist dennoch nicht nach Frankfurt, um nur Haltung zu zeigen. Der BRC sucht etwas Zählbares.
Ares van Look, Trainer des Berliner RC, macht die Größenverhältnisse selbst klar. Frankfurt sei „der hohe Favorit“, seit Jahren ungeschlagen und schlicht die beste Mannschaft im Land. Das ist kein Kleinreden der eigenen Mannschaft, sondern ein nüchterner Blick auf einen Gegner, der in dieser Liga fast eine eigene Kategorie bildet. Zugleich verweist der Berliner Trainer auf das Hinspiel. Das 5:57 war deutlich, aber aus seiner Sicht nicht vollständig trostlos. Berlin habe damals eigene Möglichkeiten liegen lassen. Diesmal wolle man genau dort ansetzen.
Das Ziel des BRC ist greifbar formuliert: ein Bonuspunkt. In der jetzigen Lage wäre das wertvoll. Der Berliner Trainer sagt ausdrücklich, seine Mannschaft halte das nicht für unmöglich. Dafür muss Berlin defensiv unangenehm bleiben, Frankfurt das Spiel schwer machen und eigene Chancen besser nutzen. Personell ist die Lage angespannt. Verletzungen und Sperren erzwingen Umstellungen. Darin sieht der Trainer auch eine Möglichkeit: Die Spieler, die nun in den Kader rücken, hätten sich ihre Minuten verdient.
In Frankfurt richtet sich der Blick bereits auf die letzten Wochen der Saison. Byron Schmidt, Trainer des SC Frankfurt 1880, sagt, Berlin sei schwer einzuschätzen. Der BRC habe zuletzt ein, zwei gute Resultate erzielt. Zugleich liege der Frankfurter Fokus auf der Schlussphase und auf einigen Zielen, die man an diesem Wochenende erreichen wolle. Einzelne Spieler sollen die Gelegenheit bekommen, sich zu zeigen und mit Leistung auf sich aufmerksam zu machen.
Das ist die kleine Nebenlinie dieser Partie. Frankfurt bleibt klarer Favorit, unabhängig von der Aufstellung. Für einzelne Spieler geht es aber um Spielzeit und Wirkung in der Saisonphase vor den entscheidenden Aufgaben. Berlin wiederum kann nur dann auf ein kleines Fenster hoffen, wenn es die Partie zäh hält und lange in Reichweite bleibt.
Viel spricht für einen Frankfurter Sieg. Aber der Berliner RC hat einen eigenen Plan. Im Abstiegskampf kann ein Bonuspunkt Gewicht bekommen. Wenn Berlin defensiv hartnäckig bleibt und eigene Chancen diesmal besser nutzt, könnte dieser Nachmittag für den Tabellenführer zumindest mühsamer werden, als es die Tabelle vermuten lässt.
Heidelberger RK – TSV Handschuhsheim: Der HRK improvisiert
Es ist ein Spiel, in dem die Tabelle und die Personallage gleichzeitig mitreden. Wenn der Heidelberger RK den TSV Handschuhsheim empfängt, geht es für beide Mannschaften um einen sauberen Schlussspurt. Für den HRK wäre ein Sieg im Rennen um Platz vier oder zur Absicherung nach hinten wichtig. Der TSV will die klare Hinrundenniederlage korrigieren und zeigen, dass er weiter ist als im Herbst.
Steffen Liebig, Trainer des Heidelberger RK, beschreibt die Ausgangslage zwiespältig. Unter normalen Umständen wären Platz vier und zwei oder drei Siege aus den letzten Spielen das klare Ziel. Die Realität ist komplizierter. Die Ausfallliste habe inzwischen „enorme Ausmaße“ angenommen. Elf Verletzte fehlen, darunter mehrere Stammkräfte. Dazu kommen Ausfälle aus dem Siebener-Bereich. Besonders schwer wiegt, dass dem HRK für den Rest der Saison kein gelernter Gasseneinwerfer mehr zur Verfügung steht. Die Mannschaft muss erneut improvisieren. Selbst Max Zahner, Spieler des Heidelberger RK, dessen Belastung man eigentlich steuern wollte, fällt verletzt aus.
Resigniert klingt das in Heidelberg trotzdem nicht. Der HRK-Trainer sagt ausdrücklich, dass er auch diesem Kader einen Sieg gegen den TSV zutraut. Mit einem Erfolg wäre Platz fünf so gut wie gesichert. Die Trainingswoche sei sehr gut gewesen. Nun gehe es darum, den eigenen Rhythmus zu halten und sich „irgendwie über die Ziellinie zu retten“. Dass Ersin Aydin und Clemens Armbruster, beide Spieler des Heidelberger RK, nach langen Verletzungen zurückkehren, hilft zumindest etwas. Die Grundprobleme verschwinden dadurch nicht.
Beim TSV ist die Lage weniger von Not geprägt, sportlich aber ernst genug. Moritz Bayer, Pressesprecher des TSV Handschuhsheim, sagt, man wolle die klare Niederlage aus der Vorrunde korrigieren. Die Mannschaft sei inzwischen eingespielter und weiter im System. Genau das wolle sie zeigen. Lukas Rosenthal, Trainer des TSV Handschuhsheim, charakterisiert den HRK laut Bayer als Mischung aus jungen Talenten, individueller Klasse und erfahrenen Kräften. Entscheidend werde sein, geschlossen dagegenzuhalten.
Auch beim TSV gibt es einen schmerzhaften Ausfall: Joshua Gando, Spieler des TSV Handschuhsheim, fehlt langfristig. Insgesamt sieht Bayer aber ein gutes Team beisammen. Das Ziel formuliert Handschuhsheim ohne Umweg: Der TSV will gewinnen.
Darin liegt die Spannung. Heidelberg bringt Heimrecht, Form und den besseren Tabellenplatz mit, schleppt aber erhebliche personelle Probleme in den Saisonendspurt. Handschuhsheim reist mit dem Gefühl an, stabiler zu sein als im ersten Duell. Es ist ein Spiel für Belastbarkeit, Improvisation und Geschlossenheit.



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