Dessau ruft: Nach dem Rumänien-Coup wartet Portugal
- Rugby-News Team
- vor 10 Stunden
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Und Deutschland will nachlegen
Der Sieg gegen Rumänien war einer dieser Abende, die sich erst mit Verzögerung real anfühlen. In Heidelberg stand Deutschland nach 80 Minuten plötzlich da – nicht nur mit einem Ergebnis, sondern mit einem echten Statement.

Und trotzdem bleibt kaum Zeit, das alles auszukosten: Am 14. Februar um 13:00 Uhr geht es in Dessau direkt weiter – gegen Portugal, eines der formstärksten Teams im Rugby Europe Championship-Kosmos und längst eine Mannschaft mit internationalem Selbstverständnis. Auch bei Rugby-News war schnell klar: Wir wollen diesen wunderbaren Sieg gegen Rumänien noch einmal einordnen – vor allem aber den Blick nach vorn richten. Denn mit Portugal wartet direkt die nächste große Aufgabe, und genau dieser Spagat zwischen Emotion und Analyse macht das kommende Wochenende so spannend.
Dass Deutschland überhaupt mit dieser Art von Energie in diese Partie geht, spürt man in den
Stimmen aus dem Team. Co-Trainer Michael Poppmeier beschreibt das Gefühl nach dem
Rumänien-Spiel als „strange“ – weil man es so nicht erwartet habe. Die Botschaft in der Woche
sei klar gewesen: Fokus auf Performance, nicht auf Ergebnis. Und am Ende sei es genau diese
Leistung gewesen, die das Resultat möglich gemacht habe.
Auch Robin Plümpe spricht von einem Abend, der noch nachhallt: „Kann es immer noch nicht
glauben. Immer noch ein bisschen surreal.“ Und nach Abpfiff erst mal dieser ehrliche What-the-
fuck-Moment, bevor die Emotionen richtig kommen.
Plümpe: „Nicht eingebrochen –
die Jungs konnten nochmal
einen Zahn zulegen“
Plümpe macht dabei einen Punkt, der im Turniermodus Gold wert ist: Die Vorbereitung war – wie so oft – kurz. Aber diesmal habe die Mannschaft eine bessere Mischung gefunden: nicht zu viel, dafür mehr Klarheit. In den letzten Jahren habe man in der knappen Zeit oft versucht, zu viel umzusetzen, und sei dadurch eher „angeschlagen“ ins Spiel gegangen. Diesmal sei es anders gewesen: Intensität ja, aber mit Struktur – taktische Vorgaben klar, körperlich bereit. Das zeigte sich dann auch auf dem Feld: Deutschland brach in Hälfte zwei nicht ein, sondern konnte sogar zulegen. Und genau diese Stabilität wird jetzt wieder gefragt, denn der Turnierkalender bleibt brutal.
Nach dem Spiel erzählt Plümpe von diesem Blick von draußen: Er war am Ende nicht mehr auf
dem Feld, konnte „nicht mehr zuschauen“, saß mit den Händen im Gesicht – weil die Anspannung außerhalb der Linien manchmal noch größer ist als auf dem Platz. Dann Abpfiff: Emotionen raus, zu den Spielern, Familie umarmen. Durch die Verlegung nach Heidelberg waren bei ihm „locker zwölf bis fünfzehn Leute“ da – das machte den Abend nochmal besonderer.
Und dann kommt direkt die Realität zurück: Sonntagsspiel, Montag Arbeit, Kinder um 7:30 in den Kindergarten – er war um 9 schon zu Hause.
„Das schmälert das Erlebnis nicht“, sagt er. Früher
hätte er als „Wilder“ wahrscheinlich gedacht, jetzt müsse man komplett durchfeiern – diesmal war’s anders. Und: seine Blessur aus dem Rumänien Spiel ist unangenehm, aber nichts Ernstes
und sollte ihn nicht am Spielen hindern.
Portugal: 47 Punkte zum Start – und ein Team, das an sich glaubt
Portugal kommt nicht nach Dessau, um nur „mitzuspielen“. Der Auftakt war eine klare Ansage:
47:17 gegen Belgien, fünf Versuche, vier Erhöhungen, dazu vier Straftritte. Belgien kam zwar auch zu zwei Versuchen, aber Portugal hatte die Kontrolle über den Output – und sie nahmen
konsequent Punkte mit, wenn sie da waren. Keine Dropgoals, je zwei Gelbe Karten – insgesamt
ein Auftritt, der eher nach Struktur als nach Chaos aussah.
Wer Portugal in den letzten Jahren verfolgt hat, weiß: Diese Mannschaft definiert sich stark über
Identität. In einem Rugby-Europe-Interview beschreiben Simão Bento und Diogo Hasse
Ferreira, was „Lobos“ ausmacht: Einheit, echtes Zusammenhalten, das Gefühl, das Trikot nicht
für sich selbst zu tragen, sondern für alle. Und dieser Ton ist nicht Marketing – der passt zu dem,
was Portugal auf dem Feld ausstrahlt: Selbstbewusstsein ohne Arroganz, Stolz ohne Pose.
Spätestens bei der WM 2023 hat Portugal zudem gezeigt, dass sie auch gegen große Namen nicht nur mitspielen wollen: ein Sieg gegen Fidschi, ein 18:18 gegen Georgien, dazu starke Spiele gegen Wales und Australien. Das sind Ergebnisse, die eine Mannschaft formen – weil du lernst, dass du dran sein kannst, wenn du deine Standards hältst, deine Chancen nutzt und mental nicht wackelst. Für 2027 haben sie sich wieder qualifiziert – und genau dieses Selbstverständnis bringen sie nun mit nach Dessau.
Für Deutschland heißt das Dessau wird ein Test auf allen Ebenen – Set Piece, Defensive-
Organisation, Kicking Game, und vor allem: wie gut Deutschland die eigene Performance wieder
auf den Platz bekommt, ohne sich vom Ergebnis treiben zu lassen.
„Wir dürfen keine One-Trick-Ponies sein“ –
Michael Poppmeier im Interview
Wie fühlst du dich nach diesem Sieg? Und was bedeutet es, zu Hause so einen
sensationellen Erfolg zu schaffen?
Michael Poppmeier: „Das Gefühl ist ehrlich gesagt ziemlich strange. Ich glaube nicht, dass wir das erwartet haben. Unser Fokus in der Woche lag auf der Performance, nicht auf dem Resultat – und die Performance hat uns am Ende das Resultat gebracht. Danach auf dem Feld war es so: What just happened? Gemischte Emotionen, auch Tränen – Tränen der Freude. In der Kabine saßen wir da, und immer wieder kam die Frage: Was ist da gerade passiert? Aber die Jungs haben es verdient. Wir haben uns unser Glück in Teilen selbst erarbeitet, wir haben diese Momente dann auch genutzt – und am Ende kam dieses Ergebnis dabei raus.“
Vor 9–10 Jahren standest du als Kapitän beim letzten großen Überraschungssieg gegen
Rumänien selbst auf dem Feld. Jetzt führst du als Co-Trainer eine neue Generation und ihr habt Rumänien wieder geschlagen. Wie ist das für dich, und welche Rolle hat dir mehr gegeben: Kapitän damals oder Coach heute?
Poppmeier: „Vor neun Jahre war es ein bisschen anders. Wir waren damals professioneller als
jetzt. Wir haben die ganze Woche vor dem Rumänien-Spiel trainiert, wir hatten fünf oder sechs Coaches – jetzt sind wir drei. Spielen und gewinnen ist ein komplett anderes Gefühl als coachen.
Als Spieler war ich vor einem Spiel nervös, und nach der ersten Kontaktaktion sind die Nerven
weg. Als Coach bist du die ganze Zeit nervös – besonders in den letzten 15 Minuten, als sich der
Score nochmal gedreht hat, sie kurz geführt haben und dann Leo den letzten Versuch legt. Da
sind die Nerven durch die Decke. Aber dieses Ergebnis am Sonntag war ganz weit oben in meiner Coaching-Laufbahn.“
Wenn du auf das Team von damals zurückblickst: Worin unterscheidet sich diese aktuelle Mannschaft und was macht diese Gruppe besonders?
Poppmeier: „Was diese Gruppe besonders macht, ist: Wir sind nicht professionell – und trotzdem ist der Input der Jungs brutal stark. Über den Winter haben wir eine Fitness-Challenge gemacht und das getrackt, große WhatsApp-Gruppe, Fotos, auch kulturelle Challenges. Die Jungs haben da komplett mitgezogen. Und wenn du jetzt zurückblickst: keiner ist gekrampft, keiner ging mit schweren Verletzungen runter. Die Jungs sahen nach dem Spiel noch ziemlich fit aus. Das ist wichtig, weil es eine lange Competition ist: fünf Spiele auf internationalem Niveau in sechs Wochen für ein nicht vollprofessionelles Team – das ist eine harte Aufgabe.“
Du wirst als Lead Analyst wahrgenommen: Wie würdest du deine Arbeit in einfachen Worten
beschreiben und was ist dir dabei besonders wichtig in der Zusammenarbeit mit den
Jungs?
Poppmeier: „Viel Back-End-Arbeit. Sammy, Mark und ich verbringen viel Zeit in Calls –
Montagabends meistens fix, und dann sporadisch über die Woche. Selection, Gegner anschauen, wo wir Schwächen finden können und was wir umsetzen wollen. Ein großer Teil meiner freien Zeit geht dafür drauf. Ich hatte zuletzt auch einen Call mit den Forwards – Rumänien previewen und gleichzeitig schon Portugal mitdenken. Und in der heutigen Zeit hilft die digitale Vorbereitung: die Jungs sind auf dem Handy, Clips sind ein Weg, sie vorzubereiten. Weil wir bei so einem kurzen Turnaround kaum Feldzeit haben: Donnerstagabend zusammenkommen, Freitag trainieren,
Samstag spielen – da musst du es simpel halten.“
Blick nach vorn: Am Wochenende wartet Portugal in Dessau. Was ist dir bei ihnen bislang aufgefallen, wo liegt euer Fokus für das Spiel und steht euch der komplette Kader zur Verfügung?
Poppmeier: „Unsere Message diese Woche ist: Wir dürfen keine One-Trick-Ponies sein. Wir
müssen die Performance gegen Rumänien mit einer weiteren guten Performance bestätigen.
Fokus bleibt auf unserer Leistung, nicht auf dem Ergebnis. Portugal ist ein top, top-class Team –
wir schauen, was wir am Wochenende in Dessau auf den Platz bringen können. Was ich konkret bei Portugal gesehen habe, teile ich noch nicht. Das kann ich dir nach dem Spiel gern erzählen.
Und klar: Sechs Tage Turnaround ist nicht optimal, aber es ist, wie es ist – wir müssen damit
umgehen.“
Und zum Schluss: Wie hast du die Unterstützung in Heidelberg erlebt und welche Botschaft möchtest du der deutschen Rugby-Community mitgeben?
Poppmeier: „Der Support in Heidelberg war richtig, richtig cool. Und ehrlich: gegen die Schweiz letztes Jahr in Heidelberg haben wir nicht gut performt – da haben wir uns und die Supporter enttäuscht. Dass wir jetzt so gegen Rumänien gespielt haben, kann hoffentlich ein Schritt sein, um wieder mehr Leute mitzunehmen – und hoffentlich spielen wir bald wieder in Heidelberg, damit noch mehr Support kommt. Und was die Umstände angeht: die kurzfristige Verlegung von Kassel nach Heidelberg haben wir
nicht groß bewertet – wo wir spielen, wir passen uns an und nehmen den Gegner an. Und in Dessau: Wir haben gesehen, wie viel Community-Arbeit da drinsteckt – Schnee schippen
und mehr. Das bleibt nicht unbemerkt, dafür sind wir sehr dankbar. Wir schulden Dessau und den deutschen Rugby-Fans, dass wir wieder eine gute Performance zeigen. Ich sage nicht, dass wir
rausgehen und gewinnen – aber wir müssen rausgehen und versuchen, Dinge richtig zu ä machen.
Und an alle Supporter: Ich hoffe, dass Sonntag genug war, um sie mitzunehmen. Wir brauchen
den Support unabhängig vom Ergebnis – aber für die Performance. Wenn wir den weiter bekommen: wer weiß, was möglich ist. Ich bin einfach froh, ein Teil davon zu sein.“
Ausblick: Ein Brett, aber genau deshalb spannend
Deutschland geht mit Rückenwind rein. Für die Gastgeber wird entscheidend sein, ob sie die
Dinge, die gegen Rumänien funktioniert haben, wiederholbar machen: klare Struktur, gute
Entscheidungsfindung, keine Panikphasen – und der Mut, Chancen zu nehmen, wenn sie da sind.
Portugal dagegen bringt genau das mit, was in solchen Spielen oft den Unterschied macht:
Punktemaschine plus Spieltempo.
Und trotzdem: Poppmeiers Leitlinie passt als Motto über die ganze Woche: Performance first.
Wenn Deutschland es schafft, die eigene Leistung zu bestätigen, dann wird Dessau nicht nur ein weiteres Länderspiel – sondern ein weiterer Schritt in einem Turnier, das plötzlich richtig spannend
ist.
Kickoff: 14.02., 13:00 Uhr, Dessau.
Ein echtes Brett. Und genau deshalb lohnt es sich. Wir von RugbyNews glauben an unsere Jungs und wünschen Ihnen viel Erfolg. Lasst uns die Mannschaft alle zusammen am Samstag
unterstützen - sie haben es verdient!





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