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Historischer Abend in Heidelberg

  • Rugby-News Team
  • vor 1 Tag
  • 4 Min. Lesezeit
Deutschland schlägt Rumänien 30:24.

Einen WM-Teilnehmer. Und ja: Das war ein absoluter Überraschungssieg – aber eben keiner, der vom Himmel gefallen ist. Deutschland hat sich dieses Ergebnis erarbeitet: mit Disziplin, mit Mut, mit einem klaren Plan und mit einer Geschlossenheit, die man so in dieser Konsequenz nicht oft sieht.



Die Rahmenbedingungen hätten es der Mannschaft leicht machen können, Ausreden zu nden – haben sie aber nicht gebraucht. Tiefer Rasen in Heidelberg, kurzfristige Verlegung, dazu ein Gegner, der normalerweise darüber kommt, dass er dich über Physis, Standards und Druckphasen mürbe macht. Deutschland hat genau das angenommen. Nicht spektakulär im Sinne von „wild“, sondern spektakulär, weil es über 80 Minuten nach einem Team aussah, das bereit ist, für jeden Meter zu arbeiten und in den entscheidenden Momenten die Nerven zu behalten.


Gerade die Basics saßen auffällig gut. Die Standards, vor allem die Gasse, wirkten sauber vorbereitet. Da war Struktur drin, Ruhe drin – und das ist gegen Rumänien ein ganz wichtiger Teil der Wahrheit. Man hatte nicht das Gefühl, dass Deutschland in diesen Situationen „durchkommt“, sondern dass sie da wirklich mit Überzeugung auftreten. Das passt auch zum Eindruck vom Trainerteam: Michael Poppmeier, Mark Kuhlmann und Sammy Füchsel scheinen die Mannschaft sehr klar auf dieses Spiel eingestellt zu haben – körperlich, taktisch und vor allem mental.


Zur Pause lag Deutschland trotzdem hinten (6:14). Rumänien hatte seine Punkte gemacht, Deutschland hielt dagegen – und da muss man Leo Wolf (SC 1880 Frankfurt) hervorheben. Nicht, weil das hier eine One-Man-Show war, sondern weil Wolf dem Spiel eine Richtung gegeben hat. Zwei Straftritte in der ersten Halbzeit (15’, 31’) hielten Deutschland dran, aber noch wichtiger war sein Ein uss darüber hinaus: Kicks zur Spielverlagerung, Rumänien immer wieder tief festnageln, den Gegner zu langen Wegen zwingen – und in den Momenten, in denen so ein Spiel kippen kann, ruhig bleiben und die richtigen Entscheidungen treffen. Genau dieses Game-Management hat Deutschland im Spiel gehalten, als Rumänien kurz so wirkte, als könnten sie sich absetzen.


Nach der Pause kam dann der Moment, in dem sich diese Partie wirklich drehte. Deutschland kam raus, als wäre das alles noch völlig offen – und plötzlich war da ein anderer Druck. Oliver Paine steuerte das Spiel mit Übersicht, brachte Struktur rein und hielt die Mannschaft in den richtigen Momenten im Vorwärtsgang. 49’ Versuch Paine, 50’ erhöht Wolf– und plötzlich war klar: Das wird heute keine rumänische P ichtnummer. Als Felix Lammers wenig später nachlegte (53’ Versuch), war das genau dieses Gefühl, das sich im Stadion ausbreitet: Deutschland glaubt da nicht nur dran – Deutschland ist jetzt Richtung Siegerstraße unterwegs.


Rumänien blieb gefährlich, wie man es erwartet. Conache verkürzt per Straftritt (64’), später kommen sie über den späten Versuch noch einmal zurück und gehen kurzzeitig wieder nach vorn. Aber und das ist vielleicht die wichtigste Nachricht dieses Abends: Deutschland hat sich davon nicht aus der Spur bringen lassen. Keine Hektik, kein Auseinanderfallen – sondern dieser Eindruck einer Einheit, die sich gegenseitig trägt.


Und genau da steckt die eigentliche Geschichte: Das war ein Teamsieg. Es gab herausragende Leistungen, klar – aber so etwas gewinnt man nur, wenn alle 23 bereit sind, füreinander alles zu investieren. Das war heute sichtbar: in den Kontakten, in der Arbeit am Boden, in der Bereitschaft, Dinge zu machen, die nicht auf dem Scoring-Sheet stehen.


Vorne weg verdient der Sturm einen eigenen Absatz. Luis Ball mit einer enormen Leistung – viel Arbeit, viel Präsenz, genau diese Meter, die Spiele entscheiden. Dustin Mizera (Hannover 78) wirkte wie ein Spieler, der im Winter richtig einen Schritt gemacht hat: körperlich präsenter, aggressiver, mit deutlich mehr Ein uss. Und insgesamt war die dritte Sturmreihe extrem unangenehm, ständig aktiv, ständig im Spiel – genau so muss man Rumänien begegnen, wenn man ihnen den Rhythmus nehmen will.


Hinten raus wurde es dann genau das, was man bei so einem Spiel erwartet: maximaler Druck, jede Aktion zählt, jeder Fehler kann das Ding kippen. Rumänien kommt noch einmal zurück – und Deutschland ndet wieder eine Antwort. Daniel Hamilton-Strong war über die gesamte Partie auf Außen eine permanente Bedrohung und krönte das mit einem wichtigen Versuch (68’). Und dann kam dieser Moment, der bleibt: Leo Wolf nimmt Verantwortung komplett in die eigenen Hände, geht selbst über die Linie (75’) und erhöht (76’) – damit steht am Ende dieses 30:24, das sich schon jetzt wie ein kleiner Meilenstein anfühlt.


Bitter aus deutscher Sicht: Robin Plumpe musste angeschlagen vom Feld – die Hoffnung ist, dass es nichts Schwerwiegendes ist.


Was diese Geschichte noch größer macht: Es fehlten Spieler, die in so einem Spiel genauso Optionen gewesen wären – Tim Menzel, Erik Marks, Michel Himmer, Nicolai Klewinghaus. Und wenn man sich anschaut, wie jung viele im Kader sind, dann darf man sagen: Da wächst wirklich etwas. Dass die eingleisige Bundesliga mit mehr engen Spielen und mehr Druckphasen ihren Anteil daran hat, liegt nahe – man merkt, dass knappe Situationen nicht mehr automatisch Chaos auslösen, sondern eher Klarheit.


RugbyNews Meinung:

Jetzt ist Support gefragt Dieser historische Sieg ist ein Moment zum Feiern – aber er ist auch ein Auftrag. Viele Spieler in diesem Kader sind Vollzeit arbeitend oder studierend, die wenigsten verdienen Geld mit Rugby, und trotzdem stehen sie da gegen Gegner mit deutlich professionelleren Rahmenbedingungen und liefern so eine Leistung ab. Wenn deutsches Rugby solche Schritte nachhaltig machen will, braucht es Unterstützung: im Ehrenamt, vor Ort, in den Vereinen, in den sozialen Medien, durch Partner und Strukturen. Dieser Abend hat gezeigt, was möglich ist, wenn alle an einem Strang ziehen. Jetzt geht es darum, dieses Projekt nicht allein zu lassen.


Kurz-Stats

  • Endstand: Deutschland – Rumänien 30:24

  • Halbzeit: 6:14

  • Versuche: Deutschland 4, Rumänien 3

  • Punktesammler Deutschland: Wolf 15 (2 Straftritte, 2 Erhöhungen, 1 Versuch)

  • Versuche Deutschland: Paine (49’), Lammers (53’), Hamilton-Strong (68’), Wolf (75’)

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