Portugal eine Nummer zu groß. Jetzt volle Konzentration auf Belgien
- Rugby-News Team
- vor 2 Stunden
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Deutschland hat in der Rugby Europe Championship nach dem Auftaktsieg gegen Rumänien im zweiten Gruppenspiel eine klare Niederlage gegen Portugal hinnehmen müssen. Das Ergebnis fiel
deutlich aus, doch die Einordnung verlangt Differenzierung: Rumänien und Portugal sind
sportlich auf diesem Niveau zwei sehr verschiedene Gegner. Während Rumänien ein physisch
intensives Spiel mitbringt, zählt Portugal seit Jahren zu den eingespieltesten Teams des
Wettbewerbs. Technisch präzise, taktisch stabil und mit enormem Tempo. Genau diese
Qualitäten brachte Portugal auch diesmal auf den Platz.
Poppmeier: „Sie waren einfach deutlich besser als wir“
Co-Trainer Michael Poppmeier fand nach der Partie klare Worte: „Es gibt nur eine Art, das zu
sagen: Sie waren einfach deutlich besser als wir. Wir wurden ausgespielt.“ Der Unterschied lag
aus seiner Sicht vor allem in der gemeinsamen Zeit und im professionellen Rahmen: „Man sieht
klar, dass sie eine Mannschaft sind, die sehr viel Zeit zusammen hat – und in den Wochen vor den
Spielen auch sehr viel gemeinsame Vorbereitungszeit.“
Er ordnet das als strukturellen Unterschied ein, will daraus aber keine Entschuldigung machen:
„Das ist der Unterschied zwischen Profi-Strukturen und Mannschaften wie uns, die eher im
Amateurrahmen arbeiten – wir haben nicht den Luxus, jeden Tag ganztägig zu trainieren. Aber das
ist keine Ausrede.“ Deutschland versuche trotzdem, so professionell wie möglich zu arbeiten:
„Zum Beispiel, indem wir unsere Jungs bitten, spät abends auf Video-Calls zu gehen und
gemeinsam Analyse zu machen. Ich bin niemand, der das als Ausrede nimmt.“
Ein Spiel der Momente und der schnellen Bestrafung
Den Auftakt beschreibt Poppmeier als Phase, in der Deutschland zunächst gut mit dem Druck
umging: „Gut waren wir vielleicht ganz am Anfang des Spiels: Da haben wir den Druck erst mal
gut angenommen.“ Dann kippte die Partie aus seiner Sicht über wenige Szenen: „Und dann
rutschen ein, zwei Tackles durch – diese individuellen Fehler. Das führt zu drei schnellen
Versuchen. Und plötzlich liegst du 21:0 hinten – und dann wird es ein langer Tag.“
Gerade gegen Portugal, „eine sehr, sehr starke Angriffs-Mannschaft“, seien solche Sequenzen
schwer einzufangen. Sehr offen spricht er außerdem das Set-Piece an: „Im Gedränge/bei den
Standards waren wir nicht gut – das muss ich so sagen.“ Trotzdem nimmt er auch Positives aus
der Begegnung: „Das Positive ist: Wir haben auf diesem Level gegen ein richtig gutes Team
gespielt. Das nehmen wir an.“
Zwei Debüts: Kasper und Bauer als positives Signal
Ein Punkt, den Poppmeier ausdrücklich hervorhebt, sind zwei Debüts: „Wir hatten zwei
Debütanten: Karl Kasper und Tobias Bauer.“ Kasper ist dabei erst 18 und wird in diesem Jahr 19.
Für Poppmeier ist das „für uns als Kader und auch für den Verband sehr, sehr positiv“. Er betont,
wie wichtig es sei, „den jungen Spielern, die es verdienen, diese Chance zu geben“.Für Tobias Bauer war das Portugal-Spiel der erste Einsatz in der Rugby Europe Championship.
Er beschreibt die Nominierung als „Ehre“ und sagt, er freue sich sehr, Teil des Teams zu sein. Die
Stimmung in der Gruppe nimmt er als „extrem cool“ wahr: „Es sind super Leute.“ Viele kenne man
ohnehin aus der Bundesliga und aus früheren Stationen, entsprechend sei der Einstieg leicht
gefallen.
Seinen Weg skizziert Bauer bodenständig: Er begann beim BRC, ging nach Hannover 78,
wechselte später nach Heidelberg und spielte dort zweieinhalb Jahre beim TSV
Handschuhsheim, bevor er zu Hannover 78 zurückkehrte. Besonders geprägt habe ihn in
Heidelberg Jaco Otto als Stürmertrainer – vor allem bei Standards und in der Entwicklung seines
15er-Spiels. Dazu komme die Zeit im Siebener, in der er mit Coaches gearbeitet habe, die aus
einem sehr hohen Niveau kommen – auch das habe ihn weitergebracht.
Neben dem Rugby arbeitet Bauer als Gärtner. In Heidelberg machte er die Ausbildung zum
Baumschulgärtner, arbeitete dort noch eine Zeit und ist inzwischen in Hannover bei einem Unternehmen tätig.
Kurze Vorbereitung und der Moment der Einwechslung
Auch Bauer beschreibt die Vorbereitung auf Portugal als knapp: Treffen am Donnerstagabend,
Training am Freitag, Spiel am Samstag. Dass der Kern der Gruppe im Vergleich zum Rumänien-
Spiel gleich blieb, habe geholfen: Es ging darum, an Details zu arbeiten und Punkte aus dem
ersten Spiel zu verbessern.
Bauer kam zur zweiten Halbzeit in die Partie. Kurz vor der Pause bekam er das Signal, dass es
gleich losgeht. Er beschreibt vor allem Freude darüber, endlich auf dem Feld zu stehen – gegen
Rumänien hatte es für ihn zeitlich am Ende nicht mehr gereicht. Er habe das Spiel zu diesem
Zeitpunkt bereits fortgeschritten erlebt und sei deshalb mit einem klaren Fokus reingegangen:
schnell ins Geschehen finden, Ruhe behalten und dem Team mit dem helfen, was in dieser Phase
möglich ist.
Blick nach Belgien: „Emotion, Wille, Einstellung, Commitment“
Nach Portugal geht es für Deutschland direkt weiter – mit Belgien als nächster Aufgabe.
Poppmeier sagt klar: „Unser Fokus verschiebt sich diese Woche komplett Richtung Belgien.“ Er
habe das Belgien-Spiel am Sonntag gesehen: „Das war schwer anzuschauen. Die
Wetterbedingungen sahen nicht besonders angenehm aus.“ Er beschreibt es als „ein richtiges
Box-Match in zwei Halbzeiten“.
Für das kommende Wochenende erwartet er deshalb nicht in erster Linie ein Duell über lange
Gameplans: „Es gibt so viel Analyse, Gameplan und all das – aber gegen Belgien geht es vor
allem um Emotion, um Willen, um Einstellung und Commitment.“ Deutschland reist am Freitag an
und hat „vielleicht zwei kleine Einheiten zusammen, bevor wir am Samstagabend spielen“. Umso
mehr sei die Vorbereitung in seinen Augen „eine Sache von Einstellung, Emotion – und dass man
bereit ist“.
Zur Aufstellung selbst äußert er sich nicht: „Zur Auswahl kann ich nicht wirklich etwas sagen – das
ist Marks Aufgabe als Head Coach, er gibt das final frei.“ Seine Non-Negotiables formuliert ertrotzdem eindeutig: „Unsere Non-Negotiables sind die Einstellung.“ Und dann wird er sehr
deutlich: „Wir müssen uns voll committen. Wir müssen alles geben. Wir müssen für das Trikot
bluten. Wir müssen bis zum Schlusspfiff kämpfen – dann kannst du kurz durchatmen, und dann
kommt der nächste Job, der nächste Job. Wir müssen jede Aktion überstehen – und bei jeder
Aktion dagegenhalten.“
Poppmeier rechnet zudem mit schweren Bedingungen: „Ich schaue jetzt schon aufs Wetter – es
sieht diese Woche dort nicht gut aus.“ Der Platz werde „schwer“. Trotzdem ist der Blick nach vorn
klar: „Ich freue mich auf das Spiel. Ich glaube, die Jungs tun das auch. Wir haben es hoffentlich
geschafft, Portugal hinter uns zu lassen. Und jetzt schauen wir nach vorne auf diese Aufgabe am
Wochenende – und dann sehen wir, wo wir nach der Gruppenphase stehen.“
Was jetzt zählt
Portugal war an diesem Tag sportlich überlegen – das wurde intern genauso klar benannt.
Gleichzeitig nimmt Deutschland konkrete Punkte mit: Erfahrung auf höchstem Niveau, zwei
Debüts als Zeichen für die Entwicklung des Kaders und eine Woche, in der der Fokus konsequent
auf Belgien liegt. Dort wird ein anderes Spiel warten – schwerer Platz, viel Kontakt, wenig Zeit für
lange Vorbereitung. Poppmeiers Botschaft ist eindeutig: Entscheidend wird sein, ob Deutschland
Kampf und Commitment über 80 Minuten auf den Platz bringt.





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